EMPURIABRAVA, 17.08.2018 - 03:16 Uhr

Die alljährliche Weihnachtsgeschichte: Was an Heiligabend in Empuriabrava und Roses passieren könnte

Es ist Heiligabend, der 24. Dezember im Jahre 2017 des Herrn.

Empuriabrava, 13.02 Uhr. Rentner Fritz G. will sich das Fest verschönern und drapiert eine aus neun 6 Watt-Sparbirnen bestehende Lichterkette in seinem zur Nebenstrasse liegenden Fenster.

Empuriabrava, 13.34 Uhr: Nachbar Franz T. betätigt den Schalter, um seine 24 an der Hauswand angebrachten roten Licht-Weihnachtsmänner zum Strahlen zu bringen, die durch die 25 Watt Normalbirnen auch toll aussehen.

Empuriabrava, 14.05 Uhr: Die gesamte Nebenstrasse erstrahlt in weihnachtlicher Beleuchtung, da alle Anwohner auch die letzten alten Weihnachtsbeleuchtungen aus der Garage herausgekramt und geschickt im Garten, auf Dächern und am Haus angebracht haben. Es sieht sehr schon aus, wenngleich die ersten Transformatoren verdächtig qualmen.

Empuriabrava, 14.31 Uhr: Viele Leute des Ortes glauben, dass ein Wettbewerb „Unsere Strasse soll schöner werden“ ausgerufen wurde und pappen alles, was nach einer Lichtquelle aussieht, an die Wände, Bäume und Gartenzäune und ganz Empuriabrava erstrahlt in zuckendem, flackerndem rot-weiss-grünem Licht. Das hat die Welt noch nicht gesehen und es sieht sehr weihnachtlich aus, auch wenn der örtliche Stromversorger Mühe hat, die Energieversorgung aufrecht zu erhalten.

Roses, 14.15 Uhr: Hausfrau Helga Z.. beobachtet vom Puigrom aus, was sich in Empuriabrava tut und scheucht ihren Mann Erwin von der Couch auf, damit er sich das ansieht und auch etwas tut. Erwin Z. ist glücklicher Besitzer eines ganzen Schranks voller 400 Watt-Aussenstrahlern und diese verteilt er geschickt auf seinem Grundstück und sein Haus ist nun sogar von l’Escala aus ohne Fernglas zu erkennen.

Roses, 14,34 Uhr: Angespornt durch die Aktion von Erwin Z. fährt Diskothekenbesitzer Rainer O. zu seinem Laden und demontiert seine Laseranlage Marke „Giganto“ ab, um sie kurze Zeit später ebenfalls ganz oben auf dem Puigrom auf seinem Haus zu installieren. Er projiziert ein herrlich anzusehendes „Bon Nadal“ in die tief hängende Wolkendecke.

Roses, 14.36 Uhr: Mittlerweile ist halb Roses auf die Aktion aufmerksam geworden und will den lästigen Nachbarn in Empuriabrava nicht nachstehen. Alles, was einen Stecker hat, wird montiert und Mas Fumats, Mas Buscas, Puigrom und andere Erhebungen sind in ein angenehmes buntes Licht gehüllt, dass weit über die Bucht hinaus zu sehen ist.

Roses, 15.02 Uhr: Der ehemalige Flakhelfer Hans B. und sein Nachbar, der Kriegsveteran Xavi P. beschliessen, aus alten Militärbeständen aus Zeiten des Spanischen Bürgerkriegs Flugabwehr-Scheinwerfer der Marke „Anti-Franco“ aufzubauen. Die insgesamt elf 7.000 Watt-Strahler hüllen Roses in ein weisses Licht und die Berge sehen – es wird mittlerweile diesig – von weitem aus wie zerklüftete Eisberge. Roses ist mittlerweile auch von Barcelona aus detailgetreu zu erkennen.

Empuriabrava, 15.27 Uhr: Geblendet von so viel Licht beschliesst der örtliche Flughafen, es den seltsamen Nachbarn aus Roses mal so richtig zu zeigen und man schliesst aus alten Lägern der örtlichen freiwilligen Feuerwehr 175.000 Glühbirnen – die vorher noch in rote und grüne Farbe getaucht wurden - links und rechts entlang der Landebahn an. Empuriabrava hat zurückgeschlagen.

Roses und Empuriabrava, 15.54 Uhr: Die Stromversorger leiten mittlerweile Energie aus anderen Orten um, damit genügend “Saft“ in die beiden Orte gelangt. In Santa Margarida, Palau-saverdera und Sant Pere Pescador fangen die Lichter an zu flackern.

Roses, 16.13 Uhr: Das Rathaus beschliesst in einer eilig einberufenen Sitzung, alle Reserven aus den städtischen Lägern zu holen und letztendlich finden sich knapp 300.000 Glühbirnen in verschiedenen Farben ein, die eiligst im ganzen Ort und vor allem an der Strandpromenade aufgehängt werden. Nun gehen die Lichter in Santa Margarida, Palau-saverdera und Sant Pere Pescador endgültig aus, aber Roses und Empuriabrava sehen einfach nur schön aus, wenngleich sämtliche Notstromaggregate der Gemeinden auf vollen Touren laufen.

Empuriabrava, 16.28 Uhr: Das Rathaus in Castelló d’Empúries schaut ein wenig neidisch nach Roses und beantragt Amtshilfe in Figueres. Diese wird auch sofort gewährt, da man Roses nicht mag und liefert umgehend 1.786 Konzertstrahler, die irgendein dusseliges Gemeinderatsmitglied einmal im Jahr 1977 als Sonderangebot eingekauft hatte und seitdem im städtischen Magazin Platz wegnehmen. Die stromsparenden 1.000 Watt Hochleistungsbirnen sind noch vollständig funktionsfähig und die Polizei aus Empuriabrava verteilt diese Spots an die Haushalte in Empuriabrava, damit die Leute diese auf die Dächer montieren.

Moskau, 17.17 Uhr: Ein russischer Spionagesatellit schlägt Alarm, da man sich nicht erklären kann, warum eine kleine Region in Katalonien so strahlt, dass man es vom Weltall aus erkennen kann. Man verdächtigt die Amerikaner, dass diese einen Erstschlag vorbereiten. Nachdem einem kurzen Gespräch zwischen Trump und Putin ist das Problem aber vom Tisch und man wünscht sich gegenseitig Frohe Weihnachten und halten die Bewohner Kataloniens für Idioten.

Empuriabrava und Roses, 17.38 Uhr: Die Mitarbeiter der Stromversorger flüchten aus ihren Anlagen, da es überall bruzzelt und sich heftiger Rauch in den Generatoren entwickelt hat.

Empuriabrava und Roses, 17.52 Uhr: In beiden Orten sieht man verstört herumlaufende Gestalten mit Gepäck. Ein Airbus auf dem Weg nach Dubai war mittlerweile irrtümlich auf der Verbindungsstrasse zwischen Empuriabrava und Roses gelandet, da man das Lichtermeer für das Leuchtfeuer des Airports Barcelona hielt, wo man zwischenlanden wollte. Beim Landeanflug wurde zwar die gesamte Strasse in ihre Einzelteile zerlegt und etliche Kreisverkehre mussten dran glauben, Personenschäden waren jedoch nicht zu beklagen.

Empuriabrava, 18.01 Uhr: In der ARENA-Redaktion wird der 2-Watt Mini-Weihnachtsbaum auf dem Computer eingeschaltet.

Empuriabrava, 18.01 Uhr und zwei Sekunden: Die plötzliche Dunkelheit verwirrt, Menschen irren auf den Strassen herum, das explodierende Elektrizitätswerk bei Palau sorgt für einen kurzfristigen Lichtblitz und macht ein hässliches Geräusch. Die Rauchschwaden der überall durchgeschmorten Stromkabel stören ein wenig.

Empuriabrava, 18.05 Uhr: Frühpensionär Alfred M. kramt Streichhölzer hervor und zündet die vier Kerzen auf seinem Adventskranz an. Er ist an diesem Tag der Einzige in der Region, der ungestört Weihnachten feiern kann – weil ihm das E-Werk einen Tag vor dem Fest den Strom gesperrt hatte.

Empuriabrava und Roses, 25.12.2017: Alles ist repariert, Empuriabrava und Roses haben sich wieder lieb und erklären Figueres bittere Rache und Vergeltung. (MO)

Samstag 23. Dezember 2017 23.12.17 09:42

          

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