EMPURIABRAVA, 18.01.2018 - 14:45 Uhr

KOLONIALISMUS von Thomas Spieker

KATALONIEN / SPANIEN: Vorgestern war der ‘Internationale Tag der Migranten’, den die UNO Generalversammlung seit 2000 jedes Jahr am 18. Dezember feiert.

Allerdings werden die Katalanen seit viel mehr Jahren fast täglich von irgendeinem Regierungsverantwortlichen aus Madrid daran erinnert, daß sie ein ‘Aufnahmeland’ sind. Tatsächlich hat Katalonien so viele Menschen aus anderen Ländern und Regionen aufgenommen, daß die ursprünglichen Einwohner in ihrer eigenen Heimat fast zu einer Minderheit zusammengeschrumpft sind, besonders seit der massiven Völkerwanderung aus dem Rest Spaniens im 20. Jahrhundert, die vor allem in den 30iger und 70iger Jahren stattfand.

Ich selbst gehöre, zusammen mit zig tausenden Südamerikanern oder Marokkanern, einer neuen Generation von ‘Einwanderern’ an, die ebenfalls hier hergezogen sind, um hier ihr Leben zu ‘meistern’. Allerdings werden ‘wir’ vom Staat nicht gleich wie die spanischen Migranten behandelt.

‘Uns’ versucht er Grenzen aufzuzeigen, während er ‘jenen’ fast täglich erzählt, daß sie Anspruch darauf haben, ihre Sprache, ihre Kultur, ihre Bräuche und Traditionen in Katalonien genauso auszuleben, wie bei sich zu Hause, obwohl sie den Katalanen genauso fremd sind, wie unsere. Der ehmalige Kulturminister Wert sagte es vor wenigen Jahren ohne Scham im spanischen Parlament: “Uns ist es wichtig, die katalanischen Kinder zu verspanischen”.

Der spanische Premierminister Rajoy hat in den letzten Wochen die Auflagen des ‘Erdrückungsparagrafen’ 155 in Katalonien oft damit gerechtfertigt, daß auch andere Gesetzgeber in Europa die Staatsgrenzen garantieren. In Deutschland, zum Beispiel, protestieren die Bayern vehement dagegen, 2% ihres Bruttoinlandproduktes ohne Gegenleistungen in den gemeinsamen Topf geben zu müssen (in Katalonien, nimmt Madrid sich mehr als 12%!). Und das, obwohl Bayern bis in die 70iger Jahre hinein fast immer aus genau diesem Topf unterstützt wurde. Trotzdem würde kaum ein Bayer auf die Idee kommen, seinen Freistaat einseitig unabhängig erklären zu wollen. Aber nicht etwa, weil es illegal wäre, was auch zutrifft, sondern weil sie, wenn tatsächlich ein nennenswerter Teil der Bevölkerung die eventuelle Unabhängigkeit Bayerns unterstützen würde, ganz sicher mit Berlin darüber reden könnten, so wie die Schotten mit der Regierung ihrer britischen Majestät reden konnten. Wenn in Deutschland ein/e Bürger/in aus Nordrhein Westfalen oder in Großbritannien eine/r aus Wales nach Bayern oder Schottland zieht, wird er/sie im Unterschied zu Spanien nicht tagein, tagaus vom Staat angehalten, sich dort so breit zu machen, wie er oder sie es will, weil es sich um einen Teil seiner/ihrer ‘eigenen’ Heimat handelt und er oder sie darum Anspruch hat, die Ansässigen zu überrümpeln, ihnen ihre Sprache, bzw. ihren Dialekt aufzudrängen, die eigenen Traditionen zu ‘feiern’, u.s.w. In Deutschland oder im Vereinten Königreich würde jeder heimatwechselnde Bürger alles dafür tun, um sich so schnell wie möglich einzureihen, würde seine der dortigen Sprachweise anpassen, deren Bräuche pflegen, deren Gerichte kochen, u.s.w. Hier versucht der Staat die aufnehmende Region mit seinen Bürgern zu überfallen, zu kolonisieren. Spanien fällt eigentlich schon immer wie eine Invasionsmacht über jedes Land und alle Leute her, die es ‘erobert’ und nimmt sich, was es braucht - vom peruanischen Gold bis zur katalanischen Zuverlässigkeit.

Mittwoch 20. Dezember 2017 20.12.17 21:57

          

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