EMPURIABRAVA, 20.11.2017 - 19:48 Uhr

Sehr geehrter ‘Hannes aus Düsseldorf’

Schade, daß ich mich nicht mehr an Sie erinnern kann. Trotzdem freut es mich, dass Sie so vergnügliche Stunden mit meinem Vater verbracht haben, der übrigens auch bis zu seinem Tod nicht den Drang einer ständig wachsenden Anzahl von Katalanen nachvollziehen konnte, keine Spanier mehr sein zu wollen.

Auf Ihre Ausführungen möchte ich Ihnen nur nahe legen, sich vielleicht einmal zu überlegen, ob die ‘andere Seite der Medaille’ nicht das Gesetz, sondern die Auslegung desselben ist. Es gibt nämlich in ganz Spanien genug Grundgesetzexperten, die täglich ganz zweifelsfrei bestätigen, daß die spanische Konstitution es durchaus zulassen würde, die Katalanen per Pläbiszit entscheiden zu lassen, ob sie einen eigenen Staat gründen wollen oder nicht. Im Grunde genommen ist es nur eine Frage der politischen Intelligenz und Gewandtheit, wie man mit derartigen ‘Problemen’ im eigenen Volk umgeht. David Cameron hat da in Schottland ganz eindeutig einen wesentlich konfliktfreieren Weg aufgezeigt als das Hürdenrennen, das Mariano Rajoy eingeschlagen hat. Glauben Sie wirklich, daß man sich in der Politik mit Gesetzen, Staatsgewalt, Polizeiwillkür und Lügen die Zugewandtheit eines ganzen Volkes erzwingen kann?

In dem Konflikt zwischen Spanien und Katalonien geht es spätestens seit dem 1. Oktober nicht mehr um das ‘ob’, sondern nur noch um das ‘wann’ und ‘wie’ die Unabhängigkeit Kataloniens vollzogen wird, denn emotional haben die Katalanen sich längst von Spanien getrennt. Und Rajoy und seine Berater werden gut beraten sein, bald ein wenig mehr Verhandlungsfähigkeit an den Tag zu legen, bevor die Katalanen entscheiden, sich nicht nur von einer gemeinsamen Zukunft mit Spanien, sondern auch von Verbindlichkeiten aus der Vergangenheit zu trennen, deren anteilige Übernahme nur dann tragbar ist, wenn die Trennung in einem wirtschaftlich überschaubaren Rahmen vollzogen werden kann.

Zu ihren Beleidigungen und Disqualifikationen über meine Ausführungen oder meine Antwort an Herrn Friedrichs, werde ich mich nicht äußern. Die portraitieren nur Sie ganz allein.

Allerdings möchte ich mich bei Herrn Friedrichs für seine konziliante Antwort, die direkt nach Ihrem Leserbrief im letzten ARENA erschien, bedanken. Er hat mir zwischenzeitlich auch noch einen weiteren ‘lieben’ Brief geschrieben, in dem er sich über meinen Aufruf an die Verantwortlichen der EU auslässt, nun endlich Gesicht zu zeigen und ‘gefälligst’ den legitimen Anspruch der Katalanen zu unterstützen, über ihre eigene Zukunft entscheiden zu können. Er glaubt nicht, dass ich es schaffen werde, die EU zum einlenken zu bringen. Trotzdem haben an nur einem Tag über 700 Bürger aus ganz Europa meine Petition unterschrieben.

Thomas Spieker

Sonntag 29. Oktober 2017 29.10.17 09:41

          

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