EMPURIABRAVA, 20.11.2017 - 19:55 Uhr

Eine Antwort an Herrn Thomas Spieker von Gert Friederichs

KATALONIEN / SPANIEN: : Es ist nun etwas Zeit ins Land geschritten, die Lage in Katalonien ist weiter ein Pulverfass. Puigdemont hält sich bedeckt, die linken Protestler rufen zum Run auf die Banken auf, Madrid droht mit Artikel 155.

Also versuche ich, die Lage und die Gegenargumente von Herrn Spieker nochmal zu analysieren.

Ob ich die Einwohner des Landes nun Katalunier, Catalonen oder Katalanier nenne, mag nicht wörterbuchkorrekt sein, hat aber mit der politischen Lage nichts zu tun. Trotzdem danke für den Hinweis. Ich werde mich da bemühen.

Das Wortspiel um Brandstifter und Feuerwehr habe ich trotz heftigem Nachdenken nicht enträtseln können. Das ist zu hoch für mich.

Für die Deutschen: Bomberos kommt von Pumpe, nicht von Bombe. Wollen wir für Catalunja hoffen, daß es bei Ersterem bleibt.

Nun zu den Dingen, bei denen mir Falschaussagen vorgeworfen wurden. Ich bestreite, Falschmeldungen in die ARENA gesetzt zu haben, lediglich eine mir zustehende ANDERE Sicht der Dinge. Und das kann ich begründen.

Die „katalanischen“ Zahlen zur Abstimmung sehe ich als nicht gesichert an! Es gab keine neutrale Kontrolle und wohl so einige Mehrfachwähler, die von einem Wahllokal zum nächsten eilten. Ganz klar hat aber die kompromissunfähige Haltung der spanischen Zentralregierung die Zahl der Sezessionisten enorm hochgetrieben.

Daß die EU gegen eine Loslösung Kataloniens ist, hat sich gerade in Brüssel erhärtet. Herr Macron hat sicherlich schon in Perpinya sondiert, wie da die Lage ist.

Das Schulwesen dort, die Presse, das TV, die Amtssprache, das ist im Roussillon nicht im Entferntesten so katalanisch wie hier! Die Katalanen in Südfrankreich sind eher assimiliert und integriert, trotzdem wird keine Liebe zwischen Frankreich und einem Freistaat Katalonien aufkommen.

Ob der neue Staat den Euro mitverwenden darf, hängt von der EU ab. Und diese Organisation fürchtet einen Dominoeffekt an Eigenstaatlichkeit in Flandern, Südtirol, der Lombardei, auf Korsika und im Baskenland. Ich denke, das sieht nicht gut aus.

Der Euro für Katalonien: Es darf keine drucken oder prägen, es kann über diese Währung nicht mitbestimmen und wohl auch keine Staatsanleihen in Euro anbieten. Das engt den mönetären Spielraum des neuen Staates ziemlich ein.

Insgesamt wird der Freistaat Katalonien isoliert sein, ich sehe da keine hilfsbereiten Freunde ringsum. Siehe oben Frankreich.

Günstige Handelsverträge, insb. mit der EU abzuschliessen, wird wohl durchaus möglich sein, aber das wird dauern. Daher meine in Pessimismus begründete, leicht satirisch angehauchte Aufforde- rung, fürs Erste mal Kartoffeln anzubauen und sich Hühner und ein Schwein anzuschaffen.

Auch die Reise von Banken und Wirtschaftssitzen sehe ich genau umgekehrt, wie mein Kritiker. Weg aus der Region, umsomehr als linke Spinner mit Ideen wie Bankenrun schon echte Warnschüsse gegen obige Institutionen abgegeben haben.

Es ist abzusehen, dass, wie bei Revolutionen so üblich, die Radikalen noch fanatischer und die zuerst führenden Idealisten niedergeschrien werden.

Wir Nicht-Katalanen in dieser wunderschönen Gegend haben wohl kaum Einflußmöglichkeiten und müssen mal sehen, was da kommt.

P.S.: Das ganze Dilemma bildet mehr als deutlich die sinngemäß wiedergegebene Aussage einer Katalanin im Interview mit einem deutschen TV ab: „Ich will die Freiheit, auch wenn ich dafür hungern muß!“

Diese einfache Frau leidet sicher nicht unter den übertriebenen Autobahngebühren im Lande, auch wenig am Geldabfluß nach Madrid. Ihre Umwelt bestimmen freie katalanische Zeitungen, TV, Filme, Nachbarn, Brauchtum. Wohl kaum Spanier im Umfeld oder Touristas. Und so ist sie, wie ihre ebenfalls völlig unfreie Umwelt von der Haltung BEIDER politischer Seiten in ihre Einstellung getrieben und von dieser völlig überzeugt.

Dienstag 24. Oktober 2017 24.10.17 18:00

          

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