EMPURIABRAVA, 20.11.2017 - 20:00 Uhr

Kommentar zum Beitrag von Gert Friederichs in ARENA vom 16.10.

Sehr geehrter Herr Friederichs,
Da ich beim Lesen Ihres ‘Beitrags’ ständig das Gefühl hatte, dass hier ein Brandstifter der Feuerwehr das Löschen beibringen möchte, will ich denjenigen Ihrer Leser, die vielleicht doch auf ihre unzulänglich recherchierten, teils glatt falschen Behauptungen hereinfallen sollten, ganz einfach nur ein paar Ihrer Provokationen aufzeigen.
An erster Stelle heißen die Bürger Kataloniens im Deutschen ‚Katalanen‘.

Zweitens ist Ihre Behauptung, 57% der Bevölkerung blieben aufgrund des Wahlergenisses bei der Volksabstimmung vom 1. Oktober ‚im Abseits‘, eine unglaubliche Unterstellung.  Richtig ist, dass man leider nicht mehr als 2.286.217 abgegebene Stimmen auszählen konnte (43%), von denen sich übrigens ‚nur‘ über 90% für die Unabhängkeit entschieden hatten. Aber gewählt hatten über 700.000 Bürger mehr. Leider hat aber die spanische Polizei diese Stimmen mit ihrer brutalen Gewalt ‚geklaut‘. Wenn man dazu noch bedenkt, daß sehr viele Bürger auf Grund der vom Staat angekündigten Unterdrückungsversuche und aus Angst gar nicht erst zur Wahl erschienen sind, ist den Politologen wahrscheinlich Recht zu geben, dass mittlerweile weit über 65% aller Katalanen die Unabhängigkeit unterstützen, bzw. wünschen. 10% sind sich nach wie vor noch unschlüssig und 25% sind dagegen. Diese Annahme wird auch von den letzten Großdemonstrationen unterstützt: am 11. September gingen in Barcelona noch über eine Million für ein neues Land auf die Straße, während es der ‚Marsch der schweigenden Mehrheit‘ vom 8. Oktober höchstens auf 350.000 brachte, von denen ein Großteil aus ganz Spanien angereist war.
Drittens hat noch nie ein Volk, das sich von einer unterdrückenden Macht befreien wollte, ein detailliertes ‚Konzept‘ dafür vorgelegt, wie genau der neue Staat aussehen soll, denn genau die Freiheit, das gemeinsam zu entscheiden, gilt es ja, zu erringen. Nicht einmal unsere Brüder und Schwestern aus der ehemaligen DDR wußten, was passieren würde, wenn sie erst einmal auf der Mauer standen.
Ganz besonders lächerlich sind ihre rhetorischen Vorwürfe, die Katalanen stünden plötzlich ohne Währung da. Wenn sie ein ganz kleines wenig mehr Ahnung von dem hätten, über das Sie schreiben, wüssten Sie, dass auch Montenegro oder Andorra keine Mitglieder der EU sind und trotzdem den Euro als Nationalwährung haben. Wer soll denn bitte die Katalanen daran hindern, weiterhin mit Euros zu handeln? Und warum?
Und zum Abschluss nur noch ein Hinweis: die meisten der Unternehmen, die dem unendlichen Druck der spanischen Regierung Folge geleistet haben, ihren Firmensitz aus Katalonien heraus zu verlegen, haben betont, dass es sich nur um eine vorübergehende Massnahme handelt. Sicher ist, dass sich tausende Firmen in Katalonien anmelden werden, wenn es dann endlich ein unabhängiger Staat geworden ist. Denn Unternehmen machen Geschäfte und keine Politik.
Es wäre begrüßenswert, wenn Sie künftig die Öffentlichkeit mit ein wenig mehr Fachkenntnis und Wahrheit bedienen könnten.

Mit besten Grüssen,
Thomas Spieker


Mittwoch 18. Oktober 2017 18.10.17 20:46

          

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