EMPURIABRAVA, 21.11.2017 - 16:41 Uhr

Briefträger in Roses: Es gibt Dinge, die muss man nicht verstehen!

ROSES / KATALONIEN / SPANIEN: Jetzt lebe ich schon ziemlich lange hier, an einem der schönsten Plätze Europas, umgeben von einem wunderschönen Hinterland, hohen Bergen, tiefblauen Buchten und weitläufigen Sandstränden.

Katalonien lässt mich nicht mehr los. Trotz aller Widrigkeiten und Probleme, welche durch die Bevölkerung auf mich einwirken. Ich lasse mir die Freude an dieser Region nicht vermiesen und ertrage manche Ungereimtheiten halt mit einer gewissen „stoischen“ Ruhe.

Die Alternative meinen Daueraufenthalt hier zu beenden und in die Heimat zurückzukehren, wird schon angesichts der Tatsache, dass ich dann ja meiner Verwandtschaft schutzlos ausgeliefert wäre, ein gar schrecklicher Gedanke, nicht in die engere Überlegung aufgenommen.

Klaus-Friedrich, seine übergewichtigen Plagen und der grässliche Köter, sorgen schon dafür, dass mich die Katalanen noch lange ertragen müssen, oder auch umgekehrt, je nach Standpunkt.

Neulich kam also der hiesige Briefträger, ausgestattet mit einem superschnellen, quietschegelben Motorroller, bepackt mit einer großen Briefträgertasche, vorgefahren.

Umständlich parkte er den Motorroller, umständlich und ungelenk schulterte er, keine 5 Schritte von mir entfernt, seine Tasche und stapfte auf mich zu. Er kramte, es erübrigt sich jetzt wohl die Bemerkung, auf umständliche Weise wieder einen Briefumschlag hervor. Er hielt ihn hoch und kontrollierte nochmals die Adresse und die Hausnummer. Er zelebrierte fast schon wieder seine Umständlichkeit. In höchst amtlicher Manier, stellte er mir die Frage, ob ich denn hier meine Adresse hätte. Ich bejahte. Und ob das denn hier die Hausnummer XX wäre, was ich gleichfalls bejahen konnte. Er überprüfte nochmals die schon bestätigten Angaben und überreichte den Brief. Höflich wollte ich ihm jetzt dafür meinen Dank und Anerkennung aussprechen. Dazu kam ich aber nicht, denn es blitzte hinter seinen dicken Brillengläsern verdächtig in seinen Augen auf, ein Stirnrunzeln, ein fragender, fast hilfloser Blick, ich dachte schon, er ging gleich zu Boden, röchelnd nach Luft ringend, fassungslos..., presste er die Frage durch seine fast geschlossenen Lippen: ja, aber Du hast doch ein Postfach.., was ich ebenso bejahen konnte. Ich verwies auf die korrekte Angabe meines Postfachs im Adressfeld des besagten Briefes, den er mir gleich wieder entriss, um diese Angabe selbst zu überprüfen. Er konstatierte die exakte Angabe meines Postfachs im Adressfeld und ließ den Brief wieder in seiner Posttasche verschwinden. Mich strafte ein höchst amtlicher Blick eines katalanischen Augenpaares, welches hinter dicken Brillengläsern Deckung suchte. Ich erkannte, dass meine Chancen, jetzt doch noch in den Besitz des Briefes zu gelangen, gegen null tendierten.

Mit dem Stolz einer Amtsperson, welche keinen Widerspruch duldet, erklärte er, dass er den Brief ja dann an das Postfach zustellen müsse. Meine Verteidigungsstrategie, er könne sich diese Mühe doch ersparen und den Brief gleich hierlassen, schlug fehl. Er stellte nochmals fest, dass der Brief, so er ja an ein Postfach adressiert sei, in das Postfach zugestellt werden müsste, Basta, Punkt.

Umständlich, ungelenk, enterte er wieder den Motorroller. Den weiteren Verlauf der erfolglosen Briefzustellung, mag sich nun jeder selbst ausmalen.

Euer Pepino

Montag 09. Oktober 2017 09.10.17 18:47

          

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