EMPURIABRAVA, 17.10.2017 - 22:28 Uhr

Satirisches: Wenn der Gasmann in Roses zweimal klingelt....

ROSES / KATALONIEN / SPANIEN: Es verging bis jetzt kaum ein Jahr, dass er nicht doch gekommen ist. Der Gasmann, eine höchst „amtlich“ auftretende Person, in sauberer „Handwerkeruniform“, Blaumann, Kladde, Werkzeugtasche, so steigt er dann die Treppen rauf, oder auch herab, kommt eben darauf an ob man den Eingang am unteren, oder am oberen Grundstücksende hat. Wohlgemerkt, ich gewähre meiner Familie, der lieben Verwandtschaft, Klaus-Friedrich, Tante Klara, den beiden übergewichtigen Plagen und diesem grässlichen Köter, der mich immer noch nicht leiden kann, nach wie vor großzügig Obdach, zur Erholung und zur Festigung der Familienbande. Soweit ist das die Meinung meiner Okkupanten.

Also, besagter Cousin Klaus-Friedrich stand unter der Dusche, es war schon etwas zu vorgerückter Vormittagsstunde, also so etwa kurz vor dem deutschen Mittagstisch. Er war alleine im Haus. Tante Klara, die Plagen und der Köter waren im Ort zum Einkaufen. Klaus-Friedrich schrubbte sich ausgiebig, schäumte vor allen Dingen sein langsam schütter werdendes Kopfhaar, da passierte das Unvermeidliche, das Wasser wurde kalt, das Gas war mal wieder aufgebraucht. Da hilft nur noch die Gasflasche wechseln. Wohlgemerkt, er war alleine zu Hause. Die Gasstation befindet sich bei uns vor der Eingangstür, ein kleiner Schrank mit den Gasflaschen. Man muss nur den Anschluß wechseln, dann funktioniert die Warmwasserversorgung wieder. Also, sozusagen, im Handumdrehen.

Klaus-Friedrich tastete sich vom Bad zur Diele, eingeschäumt, der Schaum brannte schon in den Augen, denn sich abzuspülen, mit Kaltwasser?, niemals! Also, reichlich erblindet schnappte er sich den Hausschlüssel, oder was er in diesem Augenblick halt so dafür hielt. Er gelangte noch ins Freie, da fiel die Tür hinter ihm ins Schloss. Er wischte sich nochmals den Schaum aus den Augen, wechselte, die Gasflasche und trat den Rückzug an. Er hatte es reichlich eilig, denn sein schütter werdendes Schaumkleid, förderte seine Blöße zu Tage, er war natürlich „naggisch“, und so hastete er zur Haustür zurück. Verdammt, wo war denn der Schlüssel? Statt des Hausschlüssels hatte er versehentlich nach dem Handy gegriffen, welches nun völlig unnütz auf dem Sims lag. Er war alleine im Haus gewesen, das Haus steht am Berg, einsteigen ging nicht. Es wäre auch reichlich lächerlich gewesen, hätte man einen übergewichtigen Fassadenkletterer in voller Mannespracht bewundern können.

Also, was tun, was macht man mit einem Handy in einer solchen Notlage? Er rief mich an. Er schilderte seine Notlage, er bat verzweifelt, ihn daraus zu befreien, er litt merklich unter seiner Nacktheit, er erschien mir panisch. Ich genoß die Vorstellung, mein Cousin Klaus-Friedrich, kleinlaut, schamerfüllt, panisch....., versprach aber, ihn aus der Notlage zu befreien. Nur, ich musste dazu ja erst einmal nach Hause fahren, das kann ja schon etwas dauern. Ich beruhigte ihn und versprach mich zu beeilen.

Zu Hause angekommen, begenete ich auf der Treppe, an der Gartentür, am oberen Grundstückseingang, einem adrett gekleideten „Gasinspektor“, einer jener Trickbetrüger, die vorgeben die Gasinstallation überprüfen zu müssen. Er hatte es sichtlich eilig, das Weite zu suchen. Auch hatte er einen eher „verwirrten Blick“ in den Augen, das kam wahrscheinlich von seinen schreckgeweiteten Pupillen. Er stammelte etwas in mir unverständlichem Spanisch, klammerte sich an seine Werkzeugtasche und hüpfte, hastete auf der Straße den Berg hinunter. Ganz gegen seine Art, suchte er freiwillig das Weite und versuchte auch keinesfalls sein Glück bei anderen Hausbesitzern. Was um alles in der Welt, ist ihm nur widerfahren?

Die Lösung war ca 50 Treppenstufen tiefer angesiedelt. Dort stand mein Cousin Klaus-Friedrich im Windfang vor der Eingangstür, immer noch mit Schaumspuren auf dem Kopf und am Körper, im Adamskostüm, bierbäuchig, auf viel zu dünnen Beinchen. Er wusste von einem Eindringling zu berichten, welcher sich ihm zu nähern versuchte, den er aber zu vertreiben wusste. Er habe eine, (wahrscheinlich ziemlich lächerliche) Drohhal- tung eingenommen, sich vor dem Gasflaschenschrank aufgebaut und unmiß- verständlich erklärt, dass niemand zu Hause sei, er auch keinen Gasmann bestellt hätte und außerdem völlig selbstständig und fachlich einwandfrei, die Gasflasche gewechselt habe. Sein Outfit bitte er zu entschuldigen, aber zu Hause könne er ja rumlaufen, wie es ihm nun mal Spass machen würde.

Ob dieses nackten Ritters ohne Furcht, aber mit schaumbedeckten Haupt, habe der Gasmann auch eiligst die Flucht ergriffen, zumal er ja mit dem Handy in der Hand auch die Polizei hätte alarmieren können.

Mein Klaus-Friedrich fühlte sich als Held, er rang förmlich nach meiner lobenden Anerkennung.

Der Gasmann muss ein schreckliches Bild von mir und meiner Familie haben, hoffentlich plagen ihn jetzt nicht auch noch Alpträume, was beim Anblick eines nackten Klaus-Friedrich mehr als wahrscheinlich sein kann.. Eine Hoffnung darf ich haben, der kommt nächstes Jahr bestimmt nicht wieder. Ganz unabhängig davon, dass er überhaupt keine Berechtigung hat, die Installationen zu überprüfen, also zur Sorte der Trickbetrüger zählt.

Pepino

Montag 25. September 2017 25.09.17 20:18

          

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