EMPURIABRAVA, 21.11.2017 - 16:46 Uhr

Ratgeber: Schimmel – wodurch er entsteht und wie man ihn verhindert

ROSES / KATALONIEN / SPANIEN: Nicht nur die kommenden Herbst- und Winter-monate, auch die letzten Wochen mit Luftfeuchtigkeitswerten von 70%, bieten ideale Voraussetzungen für die Bildung von Schimmel in Wohnungen und Häusern.

Wer seine Räume ganzjährig bewohnt und in der kalten Jahreszeit beheizt, sollte die Ursachen von Schimmelbildung kennen, um sie gezielt vermeiden und bekämpfen zu können.

Wie bei allen Arten von Ausblühungen an Mauerwerk und Wänden, sind Feuchtigkeit, Stau- und Stocknässe die Ursache.

Neben weißen, pulvrigen Ausblühungen, die nichts weiter als in Gips umgewandelter Kalk sind, was gesundheitlich unbedenklich und nur optisch häßlich ist, sind es Nitrifikation (besser als “Salpeter“ bekannt) und Schimmel, die eine ernstzunehmende Bedrohung für die Gesund-heit darstellen.

Schimmel ist ein Pilz, dessen Sporen schon durch falsch gelagertes, schimmeliges Bau-material „eingebaut“ werden können, die aber normalerweise durch die Luft von einem Ort zum anderen wandern. Sie können auch in Holz und Heimtextilien latent vorhanden sein. Es braucht Feuchtigkeit, um sie zum Leben zu „erwecken“.

Über Entstehung und Bekämpfung von Schimmel wird leider selbst in kompetent erscheinenden Medien und von vermeintlichen Fach- leuten viel Unsinn verbreitet. Hauptgrund dafür ist, daß Ursache und Wirkung oft verwechselt und elementare bauphysikalische Tatsachen und Gesetze durcheinander gebracht und fehlinterpretiert werden.

Es reicht der einfache, gesunde Menschenver-stand, um einzusehen, daß der weit verbreitete Irrglaube, Schimmel sei auf falsches, bzw. auf zu wenig lüften zurückzuführen, Unsinn und bestenfalls geeignet ist, die Schuld von Architekten, Bauunternehmern und Vermietern auf die Benutzer von Wohnräumen abzuwälzen.

Schimmel hat bauphysikalische und heiztechnische Ursachen, deren Wirkungen durch lüften nur beeinflusst und gemildert, aber nicht beseitigt werden können.

Schimmelbildung ist, wenn ein Wasserschaden nicht in Frage kommt, ein Taupunktproblem. Dort, wo gasförmig in der Luft gelöste Feuchtig-keit kondensiert, zu flüssigem Wasser wird und damit ein Bauteil durchfeuchtet, findet Schimmel die nötigen Lebensbedingungen.

Das heißt im Umkehrschluß: wo kein Taupunktproblem besteht, bzw. dieses bau- und heiztechnisch verhindert wird, hat Schimmel keine Chance.

Neben bautechnischen Fehlern ist die Hauptursache für Schimmelbildung die Art der Beheizung.

Wo mit warmer Luft – sie geht von allen Arten stark verrippter Konvektoren und ventilator-gestützten Wärmequellen aus - geheizt wird, anstatt mit Wärmestrahlung, befindet sich die Wärme primär in der Raumluft. Da Luft mit steigender Temperatur Feuchtigkeit aufnimmt und mit sinkender Temperatur abgibt, kondensiert die in warmer Luft gelöste Feuchtigkeit an kalten Bauteilen und Wänden und schafft damit ideale Voraussetzungen für Schimmel.

An diesem Punkt setzt das unsinnige Argument des richtigen, oder falschen Lüftens an. Lüften führt nur dazu, daß die im Vergleich zur Außenluft wärmere und damit feuchtere Innenluft nach draußen befördert wird, ehe sie an kalten Wänden (…am Taupunkt) ihre Feuchtigkeit in Form von Kondensat abgeben kann.

Zum einen läßt sich das technisch nicht sauber trennbar durchführen, zum andern wird durch übertriebenes Lüften Wärme in Form von warmer Luft zum Fenster hinausgejagt, um die kältere und damit trocknere frische Luft erneut aufheizen zu müssen.

Dies macht weder ökologisch, noch ökonomisch Sinn und vermindert das Risiko der Schimmel-bildung – wenn überhaupt - nur marginal.

Völlig ausgeschaltet werden kann es damit, im Gegensatz zur weit verbreiteten Meinung, nicht.

Einzige und alleinige Abhilfe schafft unter diesem Aspekt nur eine Strahlungsheizung, die primär die Bausubstanz und erst sekundär die Raumluft aufheizt. Wo dies nicht (mehr) möglich ist, hilft nur konsequente Luftentfeuchtung.

Zweitgrößte Ursache für Schimmelbildung ist die Verwendung ungeeigneten, hochisolierenden Baumaterials für Innenwände und konstruktive Fehler, d.h. sog. Wärme-/Kältebrücken.

Materialien für Innenwände sollten Wärme- und Feuchtigkeit aufnehmen, speichern und wieder langsam abgeben können. Isolier- baustoffe, nicht offenporige (Zement- und Kunstharzgebundene) Verputze und Wandfarben sind für Innenwände deshalb vollkommen ungeeignet.

Zur Vermeidung von Wärme-/Kältebrücken sollte ein Gebäude von außen und vollflächig isoliert sein. Die hierzulande übliche Bauart vor Tür- und Fensteröffnungen mit dem zweischaligen Mauerwerk aufzuhören und Wände von innen nach außen voll durchzumauern ist eine bautechnische Todsünde.

Um Schimmel zu vermeiden, heißt die Formel daher: Lufttemperatur runter, Wandtemperatur rauf, Isolation nach außen, Wärmespeicherung innen.

Je näher Raumluft- und Wandtemperatur beieinander liegen, um so geringer das Risiko von Schimmelbildung und um so behaglicher das Raumklima. Lüften hilft nur gegen schlechte Raumluft, Schimmel wird dadurch nicht vermieden. Das Gegenteil ist der Fall!

Auf keinen Fall benachbarte Räume durch offen stehende Türen „mitheizen“! Dies erwärmt nur die Raumluft und führt zu den beschriebenen negativen Effekten.

Gerne stehe ich Ihnen für weitere Auskünfte zur Schimmelvermeidung und -bekämpfung und mit Hilfe bei der Schimmelbeseitigung zur Verfügung.

Montag 25. September 2017 25.09.17 20:16

          

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