EMPURIABRAVA, 17.10.2017 - 22:29 Uhr

Santa Margarida – ein Ort mit Geschichte

von Dr. Wolfram Janzen
SANTA MARGARIDA / KATALONIEN / SPANIEN:
  Wie – wird man sagen, die ab den  60ziger Jahre erbaute Urbanisation soll eine Geschichte haben, die über diesen Zeitraum hinausreicht? Eine ge- sichtslose und zusammengewürfelte Urbanisation, deren Ursprung der Tourismusboom an der Costa Brava ist, die anscheinend auf freiem Feld errichtet wurde und deren  kleinere  hübsche Parzellen und Häuser an den Kanälen von riesigen Touristensilos überlagert sind. Wir haben uns auf die Spurensuche gemacht und einiges herausgefunden, was auf eine alte, fast vergessene Geschichte hin- weist!  Konkrete Spuren dieser Geschichte gibt es kaum noch, sie sind der Bauwut zum Opfer gefallen.
In Strandnähe des Teilgebietes „Salata“ stehen – eingeklemmt zwischen Hotels und Restaurants - zwei Mühlentürme. Der eine ist verfallen und soll durch ein Apartmenthaus ersetzt werden, der andere ist gut erhalten und seine wiederhergestellten Zinnen weisen darauf hin, dass die Türme im 18. Jahrhunderts zu den Verteidigungslinien der Zitadelle von Roses gehörten und mit Kanonen bestückt waren. In Salata finden sich auch noch Reste von Fundamenten aus der römischen Zeit, die wohl auf auf eine Fischeinsalzunganlage zurückgehen, die ihr Salz aus dort liegenden Salinen bezog  (daher der Name „Salata“!). Auf  einem Hügel über dem Aquapark  findet man die verwahrlosten Reste einer mittelalterlichen Burganlage, das Castell de la Garriga. (Ebendort wurden in der Francozeit – nach 1945 - auch Bunker errichtet.) Und wer weiß schon, dass die Bezeichnung, die die Urbanisation trägt, auf ein Frauenkloster zurückgeht, das der Heiligen Margareta (von Antiochien) geweiht war? Leider sind von diesem Kloster keine identifizierbaren Spuren zurückgeblieben und auch die Lage ist unsicher. Man hat dieseinerzeit  noch vorhandenen Mauernreste entfernt und  überbaut. (In dem Bereich, in dem sich der Konvent befand, liegt heute ein Minigolfplatz, ein Supermarkt, ein verfallenes Restaurant, ein Keramikladen und ein Verkehrskreisel.) Wenig Achtung vor der Geschichte und der himmlischen Patronin Margaridas!
Graben wir ein wenig in der Geschichte Margaridas! In der Antike gabe es anscheinend an der Stelle des heutigen Margaridas einen Flecken Sanguinario, der an dem einen See bildenden Mündungsgebiet des von der Sierra de Rodes kommenden Baches Queralbs lag, an einer Abzweigung  der Via (Strasse) Heraklea . Mit der Christianisierung entstand dort eine visigotische Mönchszelle „Santa Margarita de los Prados“ (...auf den Wiesen). Mit dem Einbruch der Berber 714 wurde diese zerstört. Nach der Eroberung des Gebiete durch die Franken 785 entstand die Grafschaft Ampurdan. Im 9.Jahrhundert gab es um den Besitz des Sees von Castello und der umliegenden Gebiete einen Streit zwischen den Klöstern San Esteban de Banoles und San Policarpo von Rases. Nach einem erneuten Einfall der Muselmanen 935 gelangte das Gebiet in den Besitz des Grafen Gausfredo von Ampurias, der es dem Kloster San Pedro de Rodas übergab, eine Schenkung, die 953 vom fränkischen König Ludwig (dem „Überseeischen“) dem Abt Hildesind bestätigt wurde. In diesem Dokument wird auch Santa Margarita erwähnt  (piscatio...et stagno Sanguinario , seu in Sancta Margarita, vel in ipse arena – Fischreirechte ... im See von Sanguinario oder Sancta Margarita, auch im Sandstrand daselbst). Auch in einer päpstlichen Bulle wurde der Besitz des Kloster 974 bestätigt. Das gesamte Gebiet des heutigen Santa Margarita war fast durchgängig in geistli- cher  und damit „privater“ Hand -  bis zur sogenannten Desamortizacion des Ministers Mendizabal  1835. Es gab aber schon immer  Machthaber, die sich dieses Besitzes be- mächtigen wollten, so ein gewisser Adliger Adalbertus. Dessen Ansprüche wurden 968 durch den Grafen Gausfred in Begleitung von geistlichen Würdenträgern auf Sant Pere zurückgewiesen.  Im Gegensatz zu ihren Vorfahren beanspruchten auch Graf Hug I. von Ampurias und Guillem der Dicke von Besalu Teile des Klostergutes. Graf Hugo und sein Sohn Pons verkauften 1035 das „Alod (Eigenbesitz) von Rodas/Rosas“ samt der Abtei Santa Maria von Rosasan die Gräfin Guisla. Dabei wird auch wieder Santa Margarida erwähnt, als „vilar Sanguinano“. Daraus ergibt sich, dass es in Santa Margarida wieder einen vilar, eine kleine Ansiedlung,  gab.Die Gräfin schenkte 1060 als Witwe das Kloster in Roses – das ursprünglich von Sant Pere de Rodes abhängig war - samt seinen Gütern und Rechten, die es von der Grafenfamilie erhalten hatte – sie waren einst dem Kloster Sant Pere überlassen worden – dem Bischofskapitel in Girona.
Fortsetzung am Montag

Freitag 22. September 2017 22.09.17 19:33

          

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