EMPURIABRAVA, 17.10.2017 - 22:30 Uhr

Neuigkeiten zu den Protesten in Katalonien

KATALONIEN / SPANIEN: In Barcelona haben sich erneut hunderte oder tausende (die Meldungen über die Zahl schwanken erheblich) Personen vor dem Justizpalast versammelt, um für die Freilassung der am Mittwoch festgenommenen Politiker und Beamten und natürlich auch für die Unabhängigkeit zu demonstrieren. Gestern wurden vier der Inhaftierten vorläufig freigelassen. Derweil haben einige Demonstranten damit begonnen, ein Zeltlager in Zentrumsnähe zu bauen, um auch in den nächsten Tagen weiter zu protestieren. Insgesamt soll heute die Lage etwas entspannter und weniger aggressiv sein.

Von Seiten der Zentralregierung wird weiter scharf attackiert. Heute verpflichtete man sämtliche Internet-Anbieter des Landes, Seiten, die mit der Unabhängigkeit zu tun haben, zu sperren. Die Seite „referendum.cat“ wurde als erstes blockiert, weil man unter dieser Adresse jeder sein persönliches Wahllokal ermitteln konnte. Mittlerweile wird aber schon eine Alternativseite geboten, auf der man die gewünschten Informationen finden kann.

In Figueres sind mittlerweile acht Mannschaftswagen der Nationalpolizei und zwei der Guardia Civil eingetroffen und parken hinter einem Hotel. Sicherlich sind die Beamten im Alt Empordà nicht in Urlaub, sondern sollen eher für Ruhe im Gebälk sorgen, sprich aufpassen, dass einige Unabhängigkeitsbefürworter oder deren Gegner nicht zu übermütig werden.

Derweil hält sich das Gerücht, dass Madrid einige Panzer Richtung Katalonien geschickt hat und es wurden sogar Fotos auf Facebook gepostet. Ob dies der Wahrheit entspricht oder doch eher zur Kategorie der Fake-News gehört, ist nicht eindeutig. So mancher hält die Bilder für veraltet und bei einem Manöver in den letzten Jahren geschossen. Sicher ist, dass die spanischen Panzer eher klein und mehr für Räumungen von Strassensperren geeignet sind (obwohl sie eine Kanone und ein MG haben) und, was viel interessanter, mehrheitlich gar nicht einsatzfähig sind, da kaputt oder sich in irgendeinem Kriegsgebiet auf dieser Welt befinden.

Katalanische Politiker, die sich an den Vorbereitungen zum Referendum oder dessen tatsächliche Durchführung beteiligen, müssen mit Geldstrafen von. 6.000 – 12.000 Euro rechnen – pro Tag wohlgemerkt.

Während es in Barcelona schon ein wenig hektisch werden kann, ist es in den ländlichen Gebieten, u.a. die Provinz Girona inkl. der Provinzhauptstadt noch relativ ruhig. Zwar kam es auch hier zu vereinzelten Demos, aber alles äusserst friedlich und ohne besondere Vorkommnisse. Allgemein geht man derzeit davon aus, dass sich die grossen Probleme eher in Barcelona abspielen werden denn in den ländlichen Regionen. Was aber am Wahltag am 1. Oktober sein wird, mag niemand vorauszusagen. Werden die Wahlurnen, so sie denn überhaupt ihren eigentlichen Standort erreichen, sofort beschlagnahmt oder werden sie von den potentiellen Wählern gegen die Polizei verteidigt? Nach momentanem Stand könnte es so kommen, dass nur in wenigen Orten überhaupt gewählt werden kann und es so nur zu einem „Mini-Referendum“ kommt, dass wohl nicht offiziell anerkannt wird. Andererseits erklärte der katalanische Ministerpräsident Puigdemont heute, dass man noch einen Plan B in Reserve habe. Er sagte jedoch nicht explizit etwas über das Urnenproblem. Übrigens sind die 6.000 Wahlurnen nach Stand Freitag noch immer irgendwo in Katalonien versteckt. Man geht davon aus, dass Anfang der Woche mit der Verteilung begonnen wird, die man wohl nicht komplett geheim halten kann. Ob dann schon einzelne Gefässe beschlagnahmt werden können, steht noch nicht fest. Andere munkeln, dass sich die Urnen schon längst in den einzelnen Orten befinden, aber noch versteckt bleiben.

ARENA wird weiter berichten

Freitag 22. September 2017 22.09.17 13:09

          

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