EMPURIABRAVA, 17.10.2017 - 22:30 Uhr

Auf den Spuren der Schriftstellerin Viktor Catala in l´Escala

von Dr.  Wolfram Janzen
L'ESCALA / KATALONIEN / SPANIEN:
Viktor Catala – oder mit ihrem richtigen Namen Caterina Albert i Paradis – ist durch die Neuübersetzung ihres Romans „Solitud“ (SchirmerGraf Verlag, München 1907) auch dem deutschen Lesepublikum bekannt geworden. Viele der Deutschen hier haben den Roman gelesen und waren überrascht von der Erzählkraft und Modernität des Werkes. Ohne Zweifel gehört der Roman, der in viele Sprachen übersetzt wurde, zur Weltliteratur. Ob aber alle der hiesigen Leser realisiert haben, dass die Autorin aus  nächster Nähe, aus l´Escala, stammt und dort viele Spuren von ihr zu finden sind? Zwar spielt der Roman in den Pyrenäen, aber die Autorin wurde durch Örtlichkeiten in der Nähe l´Escalas zu ihm inspiriert.
Diese Spuren zu entdecken, hatte sich unlängst eine Gruppe von Interessierten im Rahmen der Sta. Margaritaer „Kulturspaziergänge“ aufgemacht. Dabei stützen konnte man sich auf eine vom « Museu de l´Anchova i de la Sal » ausgearbeitete « Ruta Victor Catala » ( Lurdes Boix i Jordi Boix : Els paisatges de Caterina Albert i Paradis, Victor Catala, Un iterari…, hrsg. vom Ajuntament de l´Escala 2005). Die vom Museum angebotene Route richtet sich allerdings an ein des Katalanischen mächtigen Publikums.
Unser „deutscher“ „Spaziergang“ begann dann auch am „Sardellen- und Salzmuseum“, einem weißen Jugendstilgebäude am Meer unter dem Hügel Pedro, ehemals Schlachthaus und Fischfabrik. Dieser Anfang scheint auf den ersten Blick nicht recht einsichtig zu sein, denn was hat die Gebirgswelt, in der „Solitud“ spielt, mit der Welt der Fischer in l´Escala zu tun? Dies ergibt sich, wenn man sich näher mit Viktor Catala beschäftigt. Sie ist 1869 in l´Escala geboren, hat dort die meiste Zeit ihres Lebens verbracht und ist auch dort 1966 gestorben.
Sie stammte aus einer (mütterlicherseits) alteingesessenen begüterten Familie und ist in deren Welt als „höhere Tochter“, Ende des 19. Jahrhunderts, erzogen worden. Der Vater war Advokat und katalanistisch-liberaler Politiker, oft abwesend, früh verstorben, die kränkelnde Mutter, religiös, künstlerisch interessiert und begabt; „Erbschaften“, die Caterina geprägt haben. Der Großvater und die Großmutter erwarben große Bauernhöfe und Ländereien in Cincclaus in der Nähe von l´Escala. Die Familie gehörte zu der kleinen Schicht der besitzenden und einflussreichen Bürgerklasse in l´Escala. Man kannte sich, man traf sich, man pflegte Freundschaften untereinander. Man konnte es sich leisten, wie Caterina, aus dem engen l´Escala herauszukommen, durch Schulbesuch außerhalb, durch Reisen durch Europa, durch eine Wohnung in Barcelona…Man nahm am politischen und geistigen Leben teil, man las die katalanische und europäische Literatur, diskutierte das Neueste in politischen und literarischen Zirkeln, man hatte Verbindungen zur geistigen Elite des wirtschaftlich aufstrebenden Kataloniens, stand den Ideen der „Renaixenca“, der Erneuerung Kataloniens, nahe und begeisterte sich an der neuen Kunstrichtung des „Modernisme“, dem katalanischen „Jugendstil“.
Caterina wuchs im Schoße einer patriarchalisch gestimmten Familie auf, als ältestes Kind, behütet und beaufsichtigt, vor allem von den Frauen ( der Vater musste zeitweilig wegen seiner Beteiligung an einer katalanisch-republikanischen Revolte ins Exil gehen). Eine große Rolle spielte die von ihr verehrte Großmutter Caterina Farres i Sureda, von der sie – wie sie bekennt – fast das ganze Catala, das sie schreibt, und katalanische Lieder aufgenommen hat.
Die Familie förderte ihre künstlerischen Neigungen, sie malte  und dichtete, ehe sie sich für Dichtung und Schreiben als ihre eigentliche Berufung entschied.
Fortsetzung Mittwoch


Montag 18. September 2017 18.09.17 19:15

          

Weitere Meldungen: