EMPURIABRAVA, 19.11.2017 - 00:13 Uhr

Ein Pilgerweg von der Steinzeit bis ins Mittelalter –von Vilajuiga nach Sant Pere de Rodes (4)

von  Dr. Wolfram Janzen
Fortsetzung von Montag
KATALONIEN / SPANIEN:
Der Legende nach sollen drei Kleriker aus Rom im im 7. Jahrhundert im päpstlichen Auftrag diese Reliquien nach dem Cap Creus gebracht haben, als Rom von Feinden bedroht war. Sie konnten allerdings nicht an diesem Cap, das damals „Cap de Venus“ hieß, landen. Erst als sie das Cap in „Cap Creus“ ( Cap der Kreuze) „umtauften“, gelang es ihnen an Land zu gehen und die Reliquien dort in einer Höhle zu verstecken, über der später das Kloster errichtet wurde. So kamen die Reliquien, die Verehrung Petri und des Kreuzes nach Sant Pere de Rodes.
Hier haben wir also einen Hinweis auf die Verehrung der Aphrodite ( römisch: Venus) am Cap Creus. Die Legende spricht von einem großen weißen Tempel, der sich auf einem küstennahen Gipfel erhob und von den griechischen und römischen Seefahrern schon von weitem gesehen werden konnte. Ursprünglich war der Tempel der Pirene, einer iberischen Muttergottheit, geweiht, nach der die Pyrenäen genannt sein sollen. Die Griechen und Römer setzten diesen Kult fort, aber unter dem Namen von Aphrodite bzw. Venus. Das Heiligtum soll eine Art empordanesisches „Delphi“ gewesen sein, wo man hinpilgerte, um Orakel einzuholen. (Gabriel Martin i Roig, L´Emporda historic, Llegendes, 2008, S. 21).
Aber wo stand dieser Tempel? Nach dem griechisch-römischen Gelehrten Strabo (63 v. - 24 n. Chr.) befand sich der Tempel auf den Höhen der Pyrenäen an der Grenze zwischen Gallien und Iberien, in geringer Entfernung nördlich oder südlich vom Siegesmal des Pompeijus am Col de Panissars. ( „Geogra- hica“/Erdbeschreibung 4.1.3/6)  Nach dem römischen Gelehrten Plinius dem Älteren (23 v. -79 n. Chr.) betrug die Entfernung des Tempels von der Mündung des Ter 40 Meilen, also ca. 60 km. („Naturalis historia/Naturbeschreibung)  Die einen lokalisieren nun den Tempel über Port-Vendres (Portus Veneris= Hafen der Venus), andere bei Sant Pere de Rhodes. Man weist auch daraufhin, dass sich am Ostende des Klosters Mauern eines spätrömischen Gebäudes befinden. Dies könnten die Reste des Venus-Tempels gewesen sein.
Aber diese Mauern sind bis jetzt noch nicht archäologisch erschlossen worden und man kann nicht mit Gewissheit sagen, um was für ein Bauwerk es sich handelte. 
Aus den antiken Angaben ergibt sich die genaue Lage des pyrenäischen Aphrodisions jedenfalls nicht, nur: dass Sant Pere de Rhodes in Frage kommen kann. Das, was für für diesen Ort noch sprechen könnte, ist die Beobachtung der Beständigkeit von heiligen Orten. Heilige Orte bleiben oft heilige Orte, durch die wechselnden Zeiten und Religionen hindurch.
Bringen nun die Steine mit den Kreuzen, die ohne Zweifel auf einen alten Pilgerweg hinweisen, Klarheit? Zogen hier Iberer, Griechen und Römer hinauf zum Heiligtum von Pirene-Aphrodite, um dort die Göttin des Wachstums und Fruchtbarkeit, der Liebe und Schönheit zu verehren und ihre Hilfe zu erflehen? Der Schluß von einem alten Pilgerweg auf den Ort des Aphrodite-Tempels ist nicht zwingend. Und so bleibt es weiter ein Geheimnis, wo die Göttin hier verehrt wurde.
Ende der Serie


Donnerstag 07. September 2017 07.09.17 13:31

          

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