EMPURIABRAVA, 18.11.2017 - 07:24 Uhr

Ein Pilgerweg von der Steinzeit bis ins Mittelalter –von Vilajuiga nach Sant Pere de Rodes (3)

Von Dr. Wolfram Janzen
Fortsetzung von Samstag

Ich stelle fest – auch mit Hilfe der Karte – die Reihe der Dolmen bildet einen Halbkreis auf dem Berggrat. Außer den 5 erhaltenen gibt es in Richtung Puig de l´Homme (Spitze de Mannes) noch zwei weitere zerfallene. Bildeten die Dolmen ursprünglich einen „heiligen“ Kreis, den man vom Tal , vom nicht mehr feststellbaren Dorf aus (Canyelles?), „beging“? Ein Weg in die Wildnis, die Einsamkeit, zu den Ahnen, an die Grenze zwischen Tod und Leben? Tatsächlich führt ein kleiner Weg – sehr verwachsen – im Kreis zurück zum Ausgangsdolmen. ( Wegen der Wildschweine verzichte ich darauf, auf ihm den Rückweg zu nehmen.)
Ich bin an der Spitze des Berggrates angekommen, in der Nähe von Mas Ventos, wo der Weg
wieder auf die Straßenführung trifft. Es öffnet sich an herausgehobener Stelle eine kleine Plattform . Hier entdecke ich nach einigem Suchen zu meiner Freude einen der Steine, den die Forscher aus Vilajuiga – dank der Auslichtungsarbeiten - gefunden haben. Ich freue mich und bin gefesselt, der Stein ist über und über mit verschiedenen eingravierten Kreuzen in verschiedenen Größen und Formen bedeckt. Einige Kreuze stehen auf Kreisen. Ich frage mich, wer hat die Kreuze angebracht? Waren es pilgernde Christen, die von oder nach Sant Pere zogen? Oder stammen sie aus dem Neolithikum? Beides ist möglich und vielleicht haben Menschen aus verschie- denen Zeiten diese Zeichen hinterlassen.
Tatsächlich ist das Kreuz eines der ältesten Menschheitszeichen, ein Ursymbol. Es findet sich schon in Höhlenzeichnungen der älteren Steinzeit. Man entdeckt es in unserer Gegend immer wieder auf Dolmen  und  ehemals heiligen Steinen, auch auf Dolmen, die verschüttet waren. In Verbindung mit anderen Gravierungen kann man es als Symbol für den Menschen und die vier Himmelssrichtungen deuten. Es stellt den Menschen dar, der mit ausgebreiteten Armen – in betender Haltung - zwischen Himmel und Erde, zwischen den vier Himmelsrichtungen steht. Somit ist es auch ein Bild für den Kosmos. Es ist aber auch ein Wegzeichen, das den Menschen auf seinem Weg auf der Erde und zwischen Himmel und Erde darstellt. Es bezeichnet den Weg des Menschen zum „Heiligen“, auch zu Heiligtümern, die den Zugang hierzu vermitteln. Der Kreis ist ein Bild für die Sonne, den Wechsel des Lebens, das sich erneuernde Leben. Im Christentum bedeutet das Kreuz den kosmischen Christus, der die Welt umspannt und durchdringt und bezeichnet den Erlösungs- weg, den Jesus gegangen ist und den der Christ in der Nachfolge Jesu geht.
Ob der neolithische „Pilgerweg“ hier endete oder zu einem (anderen) heiligen Ort führte, wissen wir nicht. Das Ziel christlicher Pilger war Sant Pere de Rodes. Dort verehrte man Kopf und rechten Arm des Apostels Petrus und andere „heilige“ Gegenstände. Diese angeblich dort vorhandenen Reliquien führten dazu, dass das Kloster im Mittelalter ein vielbesuchter Wallfahrtsort war, dessen Besuch zu bestimmten Zeiten – laut päpstlichem Erlaß – dieselben geistlichen Vorteile brachte wie der Besuch der Apostelgräber in Rom.
Fortsetzung am Mittwoch

Montag 04. September 2017 04.09.17 19:59

          

Weitere Meldungen: