EMPURIABRAVA, 24.11.2017 - 00:45 Uhr

Bald kein Viehauftrieb mehr im Alt Empordà?

ALT EMPORDÀ / KATALONIEN / SPANIEN: Über 3.000 Jahre lang haben Hirten in Spanien ihr Vieh im Frühsommer in die hochgelegenen Regionen geleitet, wo sie mehr Wasser und Grünzeug sowie mildere Temperaturen vorfanden.  Die entsprechenden Trampelpfade, auf Spanisch „las cañadas“ und auf Katalanisch  „camins ramaders“ genannt, werden mit der zunehmenden Urbanisierung grosser Landesteile immer weniger genutzt.  Und jedes Jahr gehen einige alte Hirten in Rente oder sterben und Nachwuchs für ein so entbehrungsreiches Leben wie den Viehauftrieb gibt es kaum. Früher wurden die Herden aus den Zonen el Gironés und Empordà in die Gegenden Ripollès und La Cerdanya getrieben. Die Tiere aus der Ebene von Lerida (Lleida) erklommen die Steigung bis ins Alt Urgell und nach Andorra. Viele auch wurden nach Pallars und bis ins Vall d’Aran gefúhrt. Dort kommen heute nur noch Herden aus dem Aragon an.  Umweltschützer und Fachleute der Landwirtschaft beobachten das langsame Sterben eines historischen Berufes mit Sorge: eine ganze Kultur gehe damit unter. „Hirte sein liegt einem im Blut“, sagt einer der Überlebenden. Auch er sieht für die Zukunft schwarz.
Erstens nehmen die Schafherden immer mehr ab, weil ihr Lebensraum durch die Verstädterung und jahrelange blindwütige Bautätigkeit immer mehr schrumpft, zweitens weil kaum ein junger Mann noch in dieser altbäuerlichen Branche arbeiten will.  Wenn Vieh noch in die Berge soll, wird es heute bereits in den meisten Fällen per LKW  dorthin geschafft und im Herbst auch wieder abgeholt. Die alljährliche Schau, bei der riesige Schafherden durch die Landschaft ziehen und den Verkehr stundenlang aufhalten, dürfte bald  gänzlich der Vergangenheit angehören.


Montag 04. September 2017 04.09.17 20:07

          

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