EMPURIABRAVA, 18.11.2017 - 07:21 Uhr

Ein Pilgerweg von der Steinzeit bis ins Mittelalter –von Vilajuiga nach Sant Pere de Rodes

Von  Dr. Wolfram Janzen
Die Wochenzeitung „Emporda“ berichtete am 13.06.09, dass man Hinweise gefunden habe, die erlauben könnten, den verschollenen antiken Tempel der Aphrodite zu lokalisieren. Antike Schriftsteller berichten von diesem Tempel der Göttin der Liebe, der in unserer Gegend gelegen haben soll. Niemand weiß, wo dieser Tempel stand. Nun haben Mitarbeiter der Gemeinde Vilajuiga und Archäologen auf dem Weg von Vilajuiga nach Sant Pere de Rodes Felsen mit eingeritzten Kreuzen gefunden. Diese würden auf einen alten Pilgerweg hindeuten, der schon in der späten Steinzeit benutzt wurde und an den dort gelegenen Dolmen vorbei zu einem heiligen Ort geführt haben könnte. Später könnte das der Weg zum Heiligtum der Aphrodite gewesen sein. Nach der Christianisierung und im Mittelalter diente der Weg dann Pilgern, die zum reliquienreichen Kloster Sant Pere de Rodes wanderten oder von ihm abstiegen. Möglicherweise war er Teil eines Nebenweges der Strecke nach Santiago de Compostela.
Diese Meldung veranlasste mich, den Weg nachzugehen und mich auf die Spurensuche zu machen. In Vilajuiga bog ich auf die Straße nach Sant Pere de Rodes ab. Einen km nach dem Ort kommt rechts ein kleiner Parkplatz mit Hinweistafel zu den Dolmen. Links über der Straße geht ein Weg nach dem verlassenen mittelalterlichen – und wohl schon in der Zeit der Iberer besiedelten Ort - Canyelles, über den der ursprüngliche Weg verlief. Vom Parkplatz aus führt rechts ein zunächst breiter Feldweg zu den Dolmen und weiter über Mas Ventos nach Sant Pere de Rodes. Man kann auch noch mit dem Auto ein Stück weiter fahren, danach wird der Weg selbst für Geländefahrzeuge schwierig. Zuerst geht es durch Oliven- und Korkeichenhaine bequem voran, bis man auf eine Ebene mit einem großen Garten kommt.
Hier beginnt der „Baranc  de les Comes de l´Infern“, die „Schlucht der Höllentröge“. Große glattgeschliffene Granitklötze liegen im Bach und zeugen von der früheren oder zeitweiligen Wucht des Wassers. Heute sieht man nur kleine Rinnsale und Tümpel, in denen man mit Geduld und Glück die letzten Spanischen Wasserschildkröten der Gegend entdecken kann. Meine Suche gilt jedoch anderem. Hier soll einer der Steine mit Kreuzen gefunden worden sein. Ich stiefle auf den Abhängen am Weg herum – sie wurden vom überwuchernden Buschwerk freigelegt, um die kulturgeprägte Struktur der Landschaft mit ihren Trockenmauern sichtbar zu machen – aber kann den Stein nicht finden.  Auf dem Weg sehe ich tief in die Felsen eingeprägte Furchen, die von der jahrhundertelangen Befahrung mit Karren kommen, ein Hinweis darauf, dass der Weg wohl schon in antiken Zeiten als Landwirtschaftsweg benutzt wurde. Ich komme zu einem Wäldchen, in dem – wie ich von früheren Begegnungen her weiß - Wildschweine hausen. Nun geht der Weg links über den Bach ab und führt den Berg hinauf. Jetzt entdecke ich die ersten Kreuze auf Steinen am Wegrand. Man muß schon sehr genau sehen, um sie zu erkennen und möglicherweise sind es natürliche Strukturen in den Steinen. Aber auch diese können ja als „Wegweiser“ genommen worden sein. Bald gelange ich zum ersten, der 5 erhaltenen und restaurierten Dolmen, die die „Dolmenstraße“ von Vilajuiga bilden: der Dolmen de la Vinya del Rei (Dolmen vom Weinberg des Königs).
Ein mächtiges Bauwerk, aus 6 Platten zu einer steinernen Haushöhle zusammengefügt. Hirten und Bauern haben sie als Schutzhütte benutzt. Urprünglich waren die Steinplatten von einem Erd-Steinhügel bedeckt, wobei ein Gang zur Zentralkammer führte. Beim zweiten Dolmen des Weges, dem Dolmen de Garrolar, kann man die Reste de Hügels noch gut erkennen.
Fortsetzung Freitag


Mittwoch 30. August 2017 30.08.17 22:18

          

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