EMPURIABRAVA, 22.09.2017 - 06:27 Uhr

Kommentar: Lärmorte Roses und Empuriabrava

ROSES / KATALONIEN / SPANIEN: Wer hierzulande lebt, hat sich entweder schon an die ständige Lärmberieselung gewöhnt, hört so gut es geht einfach weg, oder hat sich wirklich schon einen Hörschaden eingefangen.
Gerade im Hinblick auf die Sommerveranstaltungen (oder im Winter z.B. der Karneval) –  in Roses und Empuriabrava – ist es jedes Jahr dasselbe Drama: der Lärm ist da und nichts wird dagegen unternommen.
Die von der Weltgesundheitsbehörde WHO festgelegte und auch europaweit anerkannte zumutbare Lärmgrenze liegt bei 65 Dezibel.
Obwohl TÜV/ITV, Ordnungsämter und Polizei dies zu kontrollieren und ggf. dagegen vorzugehen haben, wird dieser Wert in vielen Fällen weder im Strassenverkehr, noch auf Baustellen, in Wohngebieten, in Discotheken und schon gar nicht auf öffentlichen Veranstaltungen eingehalten.
Nach wie vor knattern Harleys und andere unzeitgemässe Konstruktionen mit ohrenbetäubendem Lärm durch die Gegend. Vierrädrige Quads und wie wild gewordene Rasenmäher klingende Kleinkrafträder machen nicht nur durch halsbrecherische, alle Regeln des Strassenverkehrs missachtende Fahrmanöver, sondern auch durch viel zu laute Fahrgeräusche auf sich aufmerksam.
Wenn irgendwelche Felsen abgetragen werden müssen, wird monatelang mit grossen hydraulischen Meisseln herumgestemmt, anstatt sich zeitgemässer Technologien zu bedienen, die auf fast lautlose Weise in der Lage sind, Material zu zerteilen.
Baubehörden und Ordnungsämter sollten sich endlich darum kümmern, dass der Lärmpegel auf Baustellen auf ein Minimum beschränkt wird, anstatt nachzumessen, ob eine Baugrenze um wenige Zentimeter nicht eingehalten wurde.
Die Frage ist nicht, ob es nötig und für die Stadt auf welche Art auch immer positiv ist, in der Zitadelle von Roses Open-Air-Veranstaltungen zu genehmigen oder in Empuriabrava ein Konzert nach dem anderen am Strand zu veranstalten, deren Lärmpegel noch in hunderte von Metern entfernten Wohnungen zu nachtschlafender Zeit die Gläser im Schrank klirren lässt. Die Frage ist, ob dies mit den zulässigen Lärmgrenzen zu vereinbaren ist. Das ist es definitiv nicht.
Dasselbe gilt für die Karnevalszüge, die – ohne inhaltlich interessanter zu werden – von Jahr zu Jahr lautsprechertechnisch ständig weiter hochgerüstet wird, wodurch eine wachsende Zahl von Jecken mit  Klein- und Kleinstkindern zwischen den Wagen einer medizinisch  höchst schädlichen Lärmbelastung ausgesetzt ist.
Da greift nicht nur das Lärmschutzgesetz, sondern auch das Jugendschutzgesetz, das mittlerweile recht pingelig darauf achtet, dass Minderjährige um Gottes Willen nicht dem allergeringsten Schwädchen eines in Kindergarten- oder Schulnähe rauchenden Gesetzesbrechers ausgesetzt sind.
Wenn, wie in jedem Jahr beim sog. Historischen Markt, Kinder und Erwachsene schreiend vor mittelalterlich kostümierten Schützen fliehen mussten, weil die Ballerei mit Vorderladern in den engen Gassen von Castelló die Schmerzgrenze bei weitem überschritten hat, ist das keine touristische Bereicherung, sondern erfüllt definitiv den Tatbestand der Körperverletzung.
Die dafür Verantwortlichen, nicht zuletzt deren oberster Dienstherr, die Bürgermeisterin von Roses und der Bürgermeister con Castelló, sollte seiner diesbezüglichen Pflicht und Verantwortung gerecht werden und bestehenden Gesetzen auch dort Geltung verschaffen, wo es möglicherweise nicht so unproblematisch und opportun ist, wie die neuerlich massiv verstärkte Verfolgung von Parksündern.
Man kann den Spiess nämlich auch umdrehen und mal der Verwaltung per Anzeige und Klage auf die Sprünge helfen.

Montag 21. August 2017 21.08.17 18:17

          

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