EMPURIABRAVA, 18.10.2017 - 22:27 Uhr

Rechts fahren im Kreisverkehr und andere Unsitten

KATALONIEN / SPANIEN: Vor ziemlich genau 8 Jahren erschien in ARENA bereits ein Artikel über das richtige und sinnvolle Verhalten im Kreisverkehr. Seitdem hat sich leider wenig geändert und die Unsicherheit im Kreisverkehr scheint ungebrochen.
Das RACC- Magazins  (vergleichbar mit  der ADAC-Zeitschrift) beschäftigt sich mit diesem Thema, weil die zunehmende Zahl der Kreisverkehre zum einen teilweise nicht den an eine derartige Verkehrsführung gestellten Anforderungen entspricht, zum andern, weil die Mehrzahl der Verkehrsteilnehmer nach wie vor geradezu hilflos ist und nicht weiß, wie man sich am besten und richtigerweise verhalten soll.
Abseits jeglicher Vorschriften hilft generell der ( hoffentlich vorhandene ) „gesunde Menschenverstand“ weiter.

1. Kreisverkehre sind 2-spurig, damit auch beide Spuren benutzt werden.
Wer immer nur rechts fährt und dabei glaubt, sich richtig zu verhalten, der ignoriert nicht nur die Zweispurigkeit, er behindert sich und andere und setzt den eigentlichen Sinn des 2-spurigen Kreisverkehrs außer Kraft, der darin besteht, dass fließender und ein- und ausfahrender Verkehr gleichzeitig und nebeneinander stattfinden kann.
Damit das funktioniert, muss der Verkehr „reissverschlussartig“  den gesamten zur Verfügung stehenden Verkehrsraum, d.h. beide Fahrspuren nutzen. Die sich im Recht glaubenden Rechtsfahrer sind häufig auch diejenigen, die auf Autobahnen und Schnellstrassen der Mitte-Links-Fraktion zuzuordnen sind, d.h. die aus Unsicherheit und Angst vor Spurwechseln  den Verkehrsfluss stören, indem sie Fahrspuren benutzen, auf die sie nicht hingehören. Außer in Kreisverkehren und Schnellstraßen im Ortsbereich gilt auch in Spanien – wie in Deutschland – absolutes Rechtsfahrgebot, vor allem auch auf Autobahnen. Nur auf mehrspurigen Straßen im Ortsbereich ist die Fahrspur frei wählbar.
Es ist ein abseits jeglicher Vernunft und scheinbar unausrottbares Fehlverhalten und eine Unsitte, dass die Mehrzahl der Autofahrer im Falle der Verringerung von 2 auf 1 Fahrspur, wo der Verkehr im Reissverschlusssystem zusammengefädelt werden muss, schon ewig lange vor dem eigentlichen Engpass die Fahrspur wechselt, einfädelnden Kollegen dies nur unwillig ermöglicht und damit völlig überflüssige Staus verursacht. Wer im Kreisverkehr stur rechts fährt, verhält sich ebenso falsch, weil damit der ein- und ausfahrende Verkehr behindert und blockiert wird. Rechtsfahren im Kreisverkehr macht nur Sinn, wenn man sofort nach dem Einfahren an der nächsten Ausfahrt auch wirklich wieder ausfährt. Ansonsten ist die rechte Spur zum Ein- und Ausfahren und die mittlere Spur zum Fahren im Kreisverkehr gedacht. Wenn dem nicht so wäre, würde man 1-spurige Kreisverkehre bauen.

2. Vorfahrt hat, wer weiter vorne ist.
Grundsätzlich haben die im Kreisverkehr fahrenden Fahrzeuge gegenüber den einfahrenden Vorfahrt, was aber auch heißt, dass wartende Fahrzeuge in den Kreis einfahren können und sollen, während auf der inneren Spur der bevorrechtigte Verkehr fließt. Bei bereits im Kreisverkehr fahrenden Fahrzeugen hat Vorfahrt, wer weiter vorne ist, unabhängig von der befahrenen Spur. Es gibt kein Rechtsfahrgebot und damit auch keine Vorfahrt für rechts oder links fahrende Fahrzeuge im Kreisverkehr.
Idealerweise sollte man zwar zu jedem Zeitpunkt auf der richtigen Spur fahren, hat man sich jedoch selbst, oder der Vordermann vertan und falsch eingeordnet, hat derjenige   Vorfahrt, der weiter vorne fährt, egal auf welcher Fahrspur und dahinter Fahrende müssen dem vorher Fahrenden den Spurwechsel ermöglichen, bzw. auch ein falsch eingeordnetes Fahrzeug passieren lassen. Anstatt im Kreisverkehr mit gleicher Geschwindigkeit und unmittelbar nebeneinander zu fahren, sollte man daher versetzt  hintereinander fahren. Dies schafft Lücken und ermöglicht über das Reißverschlusssystem den gesamten Verkehrsraum zu nutzen, ohne dass der fließende Verkehr zum Stillstand kommen muss.

3. Blinken ist nur beim Verlassen des Kreisverkehrs unabdingbar und vorgeschrieben.
Beim Einfahren ist es - mit Ausnahme von den Fällen, wo ein Kreisverkehr tangential, d.h. praktisch geradeaus durchfahren werden kann -  blanker Unsinn und schafft nur Verwirrung. Beim Fahren im Kreisverkehr kann es der besseren Verständigung dienen. D.h.  wer links blinkt zeigt, dass er im Kreisverkehr bleiben und erst später ausfahren will. Dies empfiehlt sich vor allem für fälschlicherweise rechts eingeordnete, jedoch weiter im Kreis fahrende Fahrzeuge.
Gemäß den Forderungen des RACC sollten Kreisverkehre übersichtlich angelegt und gebaut sein, damit vorausschauendes Fahren möglich ist. Sie sollten – unabhängig vom Standort – nachts beleuchtet sein und möglichst in der Horizontalen verlaufen, d.h. keine größeren Gefälle oder Steigungen haben.
Die im Einzugsbereich von ARENA liegenden Kreisver- kehre erfüllen diese Forderungen teilweise ebenso wenig, wie anderswo, wo oftmals höchst bizarre Konstruktionen mit ebenso kniffliger Verkehrsführung für Verwirrung und unnötige Unfälle sorgen.
Eine der häufigsten und meist aus Unkenntnis begangenen Vorfahrtsver- letzungen ist das Einbiegen in eine Vorfahrtsstraße, während dort ein Fahrzeug am Überholen ist.
Die Vorfahrt gilt auf bevorrechtigten Straßen auf allen Fahrspuren und in beiden Richtungen.
D.h. wer beim Einbiegen in eine Vorfahrtsstraße einem dort Überholenden den nötigen Raum nimmt, handelt grob falsch und fahrlässig. Leider ist dies an der Tagesordnung und wird – im Gegensatz zu Geschwindigkeitsüberschreitungen – kaum kontrolliert, im Falle eines Unfalls jedoch sehr streng bestraft.
Max

Montag 10. April 2017 10.04.17 20:00

          

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