EMPURIABRAVA, 28.04.2017 - 08:23 Uhr

Ostern in Katalonien: Gebräuche und Traditionen

KATALONIEN  / SPANIEN: Das Osterfest und die Ostertraditionen in Katalonien sind in dieser traditionell katholischen Region zwischen dem südfranzösischen Roussillion und der spanischen autonomen Region Catalunya von der katholischen Kirche und dem liturgischen Kalender beeinflusst.
Katalonien weist aber, wie auch die anderen Feiertage in Katalonien, einige erwähnenswerte spezielle Traditionen auf. Der wichtigste Festtag des liturgischen Kalenders ist nicht die Geburt des Herrn, sondern Ostern mit dem Sieg Jesu über den Tod und der Verheißung des Ewigen Lebens.
Auf dem Konzil von Nicea im Jahre 325 beschlossen die Kirchenoberen: Das Osterfest soll am Sonntag nach dem ersten Vollmond am Frühlingsäquinoktium (21. März) begangen werden. Wegen dieser Festlegung feiern die Einwohner das Oster- fest auch in Katalonien immer zwischen dem 22. März und dem 15. April. Vom Osterfest wiederum sind die Feiertags-Termine für Karneval, Fastenzeit, Karwoche, Himmelfahrt, Pfingsten, Dreieinigkeit und Fronleichnam abhängig.
Soweit die Gemeinsamkeiten für Ostern, Osterfest und Ostertraditionen in Katalonien.
Während am Osterfest in Frankreich am Samstagabend oder Sonntag morgens in den Gottesdienst gegangen wird und die Kinder erst am Ostermontag nach ihren Ostereiern und Süßigkeiten die Kirche besuchen, wird auf der spanischen Seite Kataloniens Ostern leidenschaftlich gefeiert. Bis zum Ostersonntag finden auf der spanischen Seite der Pyrenäen bereits zahlreiche Prozessionen während der Semana Santa (Karwoche) statt. Die Karwoche mündet dann in überschwenglichen Osterfeierlichkeiten und grossen gemeinsamen Tafeln für das Oster-Festessen.
Von Karfreitag bis Ostermontag schweigen die Kirchenglocken in Frankreich zum Zeichen der Trauer für den gekreuzigten Jesus still. Eine ganz herausragende Eigenart einer Osterfest-Tradition ist am Karfreitag in Perpignan zu bestaunen.
In Katalonien ist es alter Oster-Brauch, Caramelles zu singen. Zu Ostern gehörige Musikstücke und Osterlieder werden dabei auf Strassen und Plätzen vorgetragen, während Esswaren aller Art mit einem Korb eingesammelt werden.
Zu dieser Zeit wird auch La Fiesta del Bollu in Aviles (Asturien) gefeiert, sowie Las Vueltas Rocieras in Castilleja de la Cuesta (Sevilla), der Tag Christi (mit der Vorführung eines Mysterienspiels) in Finisterre (La Corufta), der Tag des Schnapses in Portomann (Lugo), La Pascua Trujiliana in Trujillo (Cáceres) und El Toro Embolao in Vejer de la Frontera (Cádiz).
Das Ostermahl in Spanien besteht je nach Region traditionell aus Lamm oder aus Stockfisch und Tomaten. Die Mallorquiner gehen am Ostermontag pickni- cken und verspeisen dabei die beliebten Panades - Teigtaschen mit herzhafter Fleisch-, Fisch- bzw. Gemüsefüllung. Die süße Variante, mit Marmelade oder Quark gefüllt, heißt Robiols. Die französische Seite liebt ihr Osterlamm, meist als Lammkeule (Gigot) mit Knoblauch, Kräutern und Wein im Ofen gebraten.
Ebenso beliebt zu Ostern sind überall Eierspeisen. Während die einen an Ostern verschiedenste Omelette ("Partage de l'omelette pascale" - Teilen des Osteromeletts) bevorzugen, schlagen andere gegarte Eier aus Teigtaschen am Kopf eines Freundes auf.
Noch mehr Osterbräuche
Was fällt Ihnen als Erstes ein, wenn Sie an Ostern denken? Osterglocken, Osterhasen, Ostereier, klar. Aber was wissen Sie eigentlich über den geschichtlichen Hintergrund dieses Festes, das doch  schon in  grauer Vorzeit gefeiert wurde.?
Wie  schon zu Karneval wollen wir Ihnen auch diesmal die geschichtlichen Hintergründe dieses Festes aufzeigen.
Also: Ostern heißt auf Spanisch PASCUA (mit c in der Mitte), auf Katalanisch PASQUA mit q. Es stammt aus dem Hebräischen Pesah, einem Opfertag zum Dank für den Schutz des jüdischen Volkes. Es war das höchste jüdische Fest zur Erinnerung an die Befreiung aus der ägyptischen Gefangenschaft. Daraus wurde in der katholischen Kirche das Fest der Auferstehung des Herrn. Im lateinischen Ritus feierte man es beim ersten Vollmond nach dem 20. März, also dem ersten Vollmond im Frühling. Daher ist Ostern ein bewegliches Fest und kann zwischen den 22. März und den 25. April fallen.
Insgesamt ist Ostern in Spanien auch nicht viel anders als im Rest der christlichen Welt: wir haben alle gemeinsam, dass wir  nicht mehr sehr christlich sind!  Ostern ist heutzutage international vor allem eine Frage des Kommerzes.
Nach dem Aschermittwoch  beginnt die Fastenzeit, Spanisch la cuaresma, was die sieben Wochen zwischen  dem Karnevalsende und Ostern bezeichnet. Cuaresma heißt „Quarantäne“, also die rund 40 Tage, die man früher weitgereiste Kauf-und Seeleute nicht von den Schiffen ließ, bis man wußte, ob sie aus der Ferne gefährliche Krankheiten eingeschleppt hatten.
In der katalanischen Tradition stellte man die Fastenzeit als alte Frau mit sieben Beinen aus Zeitungspapier dar. Jede Woche wurde ein Bein abgeschnitten und am Schluß war eben Ostern.
In den Fischläden hängte man der Figur einen trockenen Stockfisch um den Hals und sieben dicke Heringe um den Bauch.
Es ist ja immer das Gleiche: auch die Religion geht durch den Magen.,Mitten in der Fastenzeit schlemmen die Joseps, José, Bebs, Jepic, Peps und andere Josefs am 19. März die süße Josefscreme und gezuckerte Krapfen.
Zur Fastenzeit gehören die Passionsspiele, die in volkstümlicher Form Leben und Sterben Jesu verkörpern und meist von Laien gespielt werden. Sie hatten die Form mittelalterlicher Dramen und waren deftig in Sprache und Ausdruck. Berühmt in Katalonien sind die Spiele von Olesa de Montserrat, Palau d’Angelsola und Cervera.
Die Gründonnerstags-und Karfreitagsprozessionen wur- den früher von religiösen Bruderschaften (cofradias) ausgerichtet. Vor allem in Sevilla hat diese Prozession eine lange Tradition.  Büßer in schwarzen, weißen und lila Überwürfen und Kapuzen schreiten mit brennenden Kerzen in der Hand zu düsterem Trommelwirbel durch die Stadt. Starke Männer schleppen sich mit einer überlebensgroßen Figur des gekreuzigten Christus ab.
Vergès im Baix Empordà (unweit La Bisbal) veranstaltet traditionsgemäß in der Nacht vom Gründonnerstag auf Karfreitag einen Totentanz in den nächtlichen Strassen des kleinen Ortes. „El temps és breu“, die Zeit ist kurz, so der katalanische Text, will an die Sterblichkeit der Menschen erinnern. Und wenn das auch niemand gerne hört, so stellen sich doch Jahr für Jahr mehr Besucher ein, um diesen Tanz zu sehen.
Die letzte Woche der Fastenzeit ist die semana santa, die heilige Woche. Sie beginnt mit Palmsonntag, der symbolischen Darstellung des Einzuges von Jesus nach Jerusalem. In Spanien bekamen die Kinder traditionell an diesem Tag neue Kleider und ihre Palmwedel wurden gesegnet. Noch heute stecken die Prostituierten in Girona diese Wedel an ihre Rolläden oder befestigen sie am Fensterkreuz, um des erteilten priesterlichen Segens teilhaftig zu bleiben.
Der Ostersonntag heißt auf Spanisch pascua florida, blühendes Ostern: ein Hinweis darauf, dass die ersten Menschen, die dieses Fest feierten, damit an die wiedererwachte Natur dachten. Man zog mit alten Töpfen und Schellen durch das Dorf, machte Höllenlärm und wurde so den Frust der Fastenzeit los. Die Dorfjugend bewaffnete sich mit Flöten, Tamburin, Horn, Akkordeon und anderen rustikalen Instrumenten, um von Haus zu Haus ziehend „pa i trago“ zu erbetteln, ein Stück Brot und einen Schluck.
Patenkinder haben es zu Ostern gut. Jeder Pate muß seinem Patenkind etwas schenken. Meist ist das heute Geld, aber niemals fehlen darf  la mona (wörtlich: die Hübsche), ein fladenartiges Gebäck, das mit Eiern aller Art verziert wird, sogar hart gekochten. Entsprechend langweilig schmeckt das Ding.
Eier waren schon immer und in allen Kulturen Symbol des Lebens: schließlich sind wir alle mal aus einem Ei gekrochen. Ganz früher war es verboten, während der Fastenzeit Eier zu essen. Daher der Nachholbedarf zu Ostern.
„Cada fiesta trae cola“, jedes Fest zieht einen Schwanz nach sich, ist eine spanische Redensart.
So war die Woche nach Ostern traditionell das Fest der Schafhirten. Die Schafe wurden geschoren und gebrandmarkt, um sie nach dem Auftrieb in die Bergweiden nicht zu verlieren.
Tempi passati. Heute essen und trinken wir vor und nach Ostern  gleichermaßen zu viel und Ostern ist nurmehr ein rot umrandeter Tag im Kalender. Sollten wir den Sinn definieren, würde den meisten von uns wohl vor allem eine Fahrt ins Grüne einfallen.


Freitag 07. April 2017 07.04.17 19:01

          

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