EMPURIABRAVA, 23.06.2017 - 19:25 Uhr

Es geht um Demokratie (2)

Von Pere Grau
Auf dem Weg zum Gerichtsgebäude sangen die Demonstranten die katalanische Nationalhymne, und als die drei Angeklagten gegen Mittag wieder herauskamen, wurden sie mit Rufen wie „Wir werden wählen!“ empfangen. Das verfahren soll am Freitag den 10. Februar enden und man nimmt an, dass die Justiz das oben genannte Urteil verkünden wird.
Noch etwas möchte ich meinen Lesern nicht vorenthalten. Wie so oft haben die spanischen Behörden wieder der versuch unternommen, den vor Gericht gestellten früheren Ministerpräsident in Misskredit zu bringen. Vor Jahren hatte jemand aus der katalanischen Opposition den Vorwurf erhoben, die Regierungspartei CDC (und damit die Partei der jetzt angeklagten Politiker) habe sich mit einem Betrag von 3 % aller zur Ausschreibung gestellten öffentlichen Bauvorhaben finanziert. Alle Untersuchungen seitens der Justiz ergaben jedoch keine Bestätigung dieses Vorwurfs, aber nichtsdestotrotz hielt er sich hartnäckig weiter und wurde ebenso oft von politischen Gegner wiederbelebt um die CDC in Misskredit zu bringen. So wieder geschehen vor dem Prozess am 6. Februar seitens der spanischen Regierung mit der sogenannten „Operation Pika“, bei der sie 12 ehemalige Mitglieder des CDC-Vorstandes, die mal mit den Finanzen der Partei zu tun hatten, von der spanischen Guardia Civil festnehmen ließ. Das wurde vorab den spanischen Medien mitgeteilt, die sich beeilten es mit großem Posaunenlärm zu verbreiten, und zwar so schnell, dass sogar einer der 12 von seiner geplanten Verhaftung durch die Zeitung erfuhr noch bevor die Polizisten bei ihm klingelten. Der reine Propagandazweck dieser Aktion wurde für jedermann deutlich als die festgenommenen nach einer Nacht in Gewahrsam wieder freigelassen wurden ohne auch nur dem Richter vorgeführt zu werden.
Der Sinn und Zweck war klar: den Katalanen zu suggerieren, dass die Angeklagten Teil eines korrupten Systems seien, um so die Unterstützung für sie zu zerbröseln. Aber wie immer nach einer dieser hirnverbrannten Maßnahmen der spanischen Politik ging der Schuss wieder nach hinten los. Nur einen Tag nach bekanntwerden der „Operation Pika“ haben sich noch einige Tausende Bürger mehr für die Demo am 6. registriert. Ursprünglich hatte man mit der Registrierung ca. 10.000 Teilnehmer erhofft, aber am Tag vorher hatten sich schon etwas mehr als 40.000 angemeldet und letzten Endes waren ca. 50.000 anwesend.
Noch ein Wort zur „Registrierung“, weil viele deutsche vermutlich nicht verstehen werden, dass man sich für eine Demo registriert. Nach der ersten Großkundgebung mit mehr als 1 Million Menschen, die alle Vorbereitungen zur Makulatur werden ließ, haben die Organisatoren in den folgenden Jahren ein Registrierungsportal im Internet eröffnet, auf dem die Bürger sich registrieren konnten und gleichzeitig der Hinweis bekamen (je nachdem wo sie wohnten) an welchem Sektor der Kundgebung sie sich eingliedern sollten. Nur so war es möglich einen flüssigen Verlauf der Veranstaltungen zu erreichen. Jedes Mal kamen am Ende auch viele Bürger dazu, ohne sich vorher zu registrieren (so geschehen auch am 6. Februar). Aber der Organisationserfolg war schon garantiert. So was klingt zwar gar nicht „südländisch“, aber man hat uns Katalanen mal „die Preußen Spaniens“ genannt…

Freitag 10. Februar 2017 10.02.17 16:31

          

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