EMPURIABRAVA, 28.05.2017 - 01:14 Uhr

Ihr Recht: 13 Dinge, die Bars und Restaurants NICHT dürfen

KATALONIEN / SPANIEN: Man kann ja nicht alles wissen! Und auch wenn man viel weiss, weiss man sich in bestimmten Fällen nicht zu helfen und darunter fallen auch einige Dinge, die einem in einer Bar oder in einem Restaurant passieren können. Aus Unwissenheit nimmt man so manches hin, was nicht sein muss und nicht selten kommt man sich so richtig „verar......“ vor und wird es auch manchmal. Oder ist es einigen von unseren Lesern nicht schon passiert, dass man auf der Terrasse eines Lokals kein Getränk bekam weil das Personal einem erklärte, das man etwas essen muss und dazu gibt es etwas zu trinken. Friss Vogel oder stirb. Oder es wurde eine Gebühr für die Besteckbenutzung kassiert oder aus einem 20 Euro-Gericht wurden plötzlich 22 Euro oder aber es wurden für bestellte Eiswürfel für das Getränk Extrazahlungen gefordert.

Natürlich kann man nicht alle Regelungen kennen, denn diese sind von Land zu Land verschieden, aber zumindest für Katalonien und Spanien kann ARENA ein wenig aufklären und in folgender Liste findet man die wichtigsten Punkte, die eine Bar oder ein Restaurant dürfen oder nicht.

I.V.A. (MwSt.) nicht inklusive
Sie haben in einem Restaurant Dinge für 50 Euro bestellt, aber auf der Rechnung werden 55 Euro berechnet mit dem Argument, dass die I.V.A. in Höhe von 10% noch hinzugerechnet wird. Das ist illegal! Auch in Restaurants muss auf der Karte der Endpreis verzeichnet sein, also inklusive der Mehrwertsteuer. Eine Ausnahme gibt es allerdings noch immer in einigen Regionen und das ist ein Vermerk auf der Speisekarte namens „I.V.A. no incluido“, das die MwSt. also nicht enthalten ist. Vom Gesetz her eigentlich illegal, aber je nach Stadt- oder Länderverordnung noch geduldet.

Die Annahme grosser Geldscheine verweigern
Die Gastronomie MUSS immer genügend Wechselgeld bereit halten, um auch auf einen einen grossen Schein Wechselgeld herauszugeben. Man kann als Kunde also erwarten, dass man einen Café Solo oder ein Croissant mit einem Hunderter bezahlen kann und dies auch akzeptiert wird. Ob man allerdings ständig genug Wechselgeld für einen 200er oder 500er bereithalten muss, geht aus den Regelungen nicht deutlich hervor. Aber egal wie: man muss schon ganz schön schlechte Laune haben, um mit einem der drei grossen Scheine so einen winzigen Betrag zahlen zu wollen.

Für Eiswürfel kassieren
Bestellt man sich in einer Bar einen „Café con hielo“ (Kaffee auf Eiswürfel) ist dieser meist etwas teurer als ein normaler Kaffee, aber das liegt in der Verantwortung des Betreibers und ist erlaubt. Bestellt man sich hingegen beispielsweise zu seiner lauwarmen Cola ein paar Eiswürfel, dürfen diese NICHT berechnet werden. Dann könnte man ja gleich auch für das Glas extra kassieren.

Für Brot bezahlen
Ein Lokal darf auf keinen Fall für Brot kassieren, wenn in der Karte kein Preis dafür aufgeführt ist. Ist beispielsweise für das oft gereichte getoastete Brot mit Alioli eine Extragebühr in der Karte verzeichnet, so kann man im Vorfeld darauf bestehen, das man dies nicht möchte und auch nicht berechnet werden darf. Grundsätzlich gilt: ein Lokal darf für nichts kassieren, dass nicht auf der Karte ist und schon gar nicht, wenn man etwas nicht bestellt hat. Aber mal ehrlich: so eine leckere Scheibe Röstbrot mit Knoblauch, Tomate, Olivenöl oder mit Alioli ist was richtig Feines und dafür kann man schon einen kleinen Betrag zahlen. Und mit etwas Glück bekommt man so viel Brot gereicht, dass man sich schon die Vorspeise sparen kann.

Für Besteck zahlen
Die katalanische Agentur für Konsum sagt ganz klar, dass man für nichts extra kassieren darf, was für den Kunden nötig ist, um sein Essen zu verzehren. Dazu gehören auch z.B. die Besteckbenutzung, das Nutzen von Servietten, Tischdecken, Stühlen, Tischen etc.  Dagegen kann man sich wehren.

Essens-Verpflichtung ist nicht erlaubt
Sie dürfen sich in jedem Restaurant – egal ob drinnen oder draussen – hinsetzen und nur etwas trinken. Niemand darf einen Gast dazu zwingen etwas zu essen. Ausnahmen sind der Hinweis auf einer Tafel, einem Schild oder in der Karte, dass die Plätze den Gästen vorbehalten sind, die essen wollen. Man darf sich aber auch an keinen Tisch setzen, auf dem ein Reservierungsschild steht. Man muss sich also nicht von einem Kellner oder dem Betreiber vertreiben lassen.

Essen am Tisch ist teurer als an der Bar
Es kommt immer mal wieder vor, dass eine Bar an der Theke beispielsweise für ein Bier 1,50 Euro kassiert, am Tisch aber 1,80 Euro. Das ist absolut verboten! Auch wenn dies in der Karte steht, müssen beide Preise ganz exakt angegeben sein und vor allem muss diese Methode deutlich herauskommen. Wenn eine Bar trotzdem darauf besteht und man keinen Palaver verursachen will, kann immer einer an die Bar gehen, Getränke bestellen, bezahlen und dann mit der Beute an den Tisch zurückgehen. Dagegen kann keiner etwas sagen.

Preis je nach Marktlage
Ein beliebtes Mittel, etwas mehr als normal zu kassieren - vor allem in Restaurants -  ist es immer noch, bei einigen Gerichten die Preis wegzulassen und stattdessen „Preis je nach Marktlage“ einzufügen. Heute kann es also preiswerter, aber auch teurer sein als gestern. Verboten! In der Karte muss der exakte Preis angegeben sein und die Restaurants haben nur die Möglichkeit, die Karte entsprechend zu aktualisieren und neu zu drucken. Schwer kalkulierbare Spezialgerichte können aber auch separat und aktualisiert eingelegt werden – ist dann einfacher und billiger für den Restaurantbetreiber.

Man bestellt ein Aspirin, man bekommt es und man kassiert dafür
NIE, NIE, NIEMALS darf ein Kellner oder Betreiber eines Lokals Medikamente vertreiben, verschenken oder verkaufen. Das ist nur Apotheken und Krankenhäusern gestattet. Und natürlich darf man auch weder für eine Aspirintablette oder Paracetamol kassieren.

Tagesgerichte ohne Preis angeben
Eine weit verbreitete Angewohnheit einiger Restaurants ist es, dem Gast spezielle Tagesgerichte mündlich anzubieten und dies meist, ohne den Preis zu nennen. Verboten! Auch hier muss das Gericht (oder evtl. mehrere) inklusive korrektem Preis mittels eines Einlegers in der Speisekarte oder an einer Tafel im Lokal ausgeschrieben sein. Alles andere braucht niemand zu akzeptieren. 

Für einen nicht bestellten Xupito kassieren wollen
Manchmal wird man in einem Lokal gefragt, ob man einen Aperitif haben möchte und wenn man dies dann will und auch sagt, was einem zusagen würde ist es legitim, dass dieser auf der Rechnung erscheint. Bekommt man allerdings ungefragt z.B. ein Glas Sekt hingestellt, darf man dieses zwar trinken, muss aber nicht zahlen, da nicht bestellt. Ähnlich ist es mit dem in Katalonien so typischen Xupito (Schnaps) nach einem opulenten Mahl. In der Regel kommt der Kellner an und fragt, ob man auf Kosten des Hauses so einen Magenberuhiger trinken möchte und das ist auch ok und die „Kurzen“ erscheinen dann auch nicht auf der Rechnung. Anders sieht es aus, wenn einem einfach so etwas hingestellt wird und man das dann auch noch trinkt: hier können die „Kleinen“ dann schon mal auf der Rechnung erscheinen. Aber das macht nichts, denn man hat sie nicht bestellt, muss also auch nicht zahlen. Und dann gibt es dann noch die ganz Schlauen, die dann allerdings schon peinlich sind. Guten Gästen stellen manche Wirte eines Auswahl an Hochprozentigem auf den Tisch und man kann sich selber nehmen, was man will. Das sollte man dann aber nicht ausnutzen (leider tun dies aber vor allem Ausländer, die die Regeln nicht kennen) und maximal zwei kleine Pins trinken und später dann ein entsprechendes Trinkgeld liegen lassen. Zahlen muss man übrigens die „Pulle“ in diesem Fall nicht.

Für Toilettenbenutzung zahlen
Bars und Restaurants haben Hausrecht und dürfen darüber entscheiden, ob jemand, der kein Gast ist, die Toilette benutzen darf oder nicht. Verboten ist allerdings, für die Nutzung der sanitären Anlagen eine Gebühr zu kassieren. Der Anstand gebietet es aber, zumindest einen kleinen Kaffee oder ein Wasser zu bestellen und so die für den Betreiber entstandenen Wasser- und Reinigungskosten zu begleichen.

Ein einziges Menü für mehrere Personen
Es sieht zwar komisch aus, aber es darf niemandem verboten werden, ein bestelltes Essen mit mehreren Personen zu teilen. Also kann man einen Teller Nudeln mit z.B. sieben weiteren Leuten essen. Satt wird davon niemand und das Restaurant muss in diesem Fall auch keine acht Gedecke oder Bestecke auslegen. Wenn sich zwei Leute ein Essen teilen, wird aber niemand so unverfroren sein und der zweiten Person Serviette, Messer und Gabel zu verweigern.

Sollten Sie trotzdem gezwungen werden, für nicht erbrachte Leistungen oder für nicht bestellte Dinge zu zahlen, verlangen Sie einfach das „Libro de reclamaciones“. Das ist ein Beschwerdebuch, dass (fast) jedes Geschäft haben MUSS*. Hier muss man die Beschwerde eintragen und man erhält eine Kopie davon (sollte dies über einen Computer gehen, muss der Ladenbesitzer einem eine Kopie ausdrucken). Normalerweise sind für jede Beschwerde drei Kopien in verschiedenen Farben vorgesehen. Die rosa- oder gelbfarbene bleibt beim Ladenbesitzer, die grüne oder gelbe beim Beschwerdeführer und die weisse geht an die entsprechende Behörde. Diese müssen Sie selber einreichen, aber hier hilft dann die Lokalpolizei weiter. Diese sollte auch eingeschaltet werden, wenn es kein Beschwerdebuch gibt oder der Geschäftsführer dies nicht rausrücken will. Aber Vorsicht! Diese Beschwerde ist kein Zuckerschlecken für den Bar- oder Restaurantbesitzer und kann weitreichende Folgen haben: von einer Geldstrafe angefangen bis hin zur Schliessung des Lokals. Man sollte sich als schon überlegen, ob man eine Beschwerde einreicht oder nicht. Man kann dies übrigens auch in deutscher Sprache ausfüllen, die Beschwerde wird dann übersetzt.

So: jetzt sind Sie gegen fast alle Widrigkeiten in Bars oder Restaurants in Katalonien und Spanien gefeit. Glücklicherweise gibt es hier nicht so viele schwarze Schafe und wir hoffen, dass Ihnen die oben aufgeführten Punkte nie passieren.

* Beschwerdebücher müssen folgende Branchen haben: Gastronomie (Bars, Restaurants, Hotels), Reiseagenturen, Bus- und Bahnunternehmen und alle Firmen, die Personen transportieren, Tankstellen, Werkstätten für Fahrzeuge, Werkstätten für Haushaltsgeräte und Geschäftszentren.


Mittwoch 01. Februar 2017 01.02.17 21:29

          

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