EMPURIABRAVA, 21.07.2017 - 23:14 Uhr

Ein lohnender Vergleich

von Pere Grau

Viele Gegner der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung argumentieren oft, dass diese innerhalb Katalonien in der Minderheit ist. Abgesehen davon, dass die Richtigkeit dieser Aussage nur in einen Referendum geprüft werden kann, das gerade von diesen Leuten nicht erwünscht wird, gibt es andere Indikatoren, die zeigen, dass ihren Argumenten bloßes Wunschdenken sind. Zum Beispiel der Vergleich der Größe der Demonstrationen für und wider die Unabhängigkeit.

Wie schon berichtet („Der Zahlenkrieg der Erbsenzähler“ vom 16.09) brachte die  Unabhängigkeits-bewegung am 11.09.16 eine knappe Million Demonstranten auf die Straßen von 4 katalanischen Städten. Ihre Gegner konnten am den spanischen Nationalfeiertag am 12. Oktober in zwei Kundgebungen in Barcelona nur knapp 5.500 Demonstranten zusammen bekommen. Der Vergleich der Zahlen sollte schon für sich einleuchtend sein, aber es ist nicht nur der Zahlenvergleich das Interessante sondern auch die politische Zugehörigkeit der jeweiligen Demonstranten. Bei der Unabhängigkeitsbewegung sind alle demokratische Richtungen vertreten von den radikalen Linken bis zu der moderaten Rechten. Ihre Gegner aber rekrutieren sich mehrheitlich bei den Ultrarechten. Wer marschierte bei ihren zwei genannten Kundgebungen?

Bei der Größten, mit ca. 5000 Menschen, die nicht mal den größten Platz Barcelonas (die Plaça de Catalunya) füllen konnten, war keine Partei mit parlamentarischem Mandat vertreten. Sie war von 9 Vereinen organisiert worden, die samt und sonders in ihren Reihen und in leitenden Positionen Leute haben, Nostalgiker der Diktatur, die sich wiederholt mit extremistischen antidemokratischen Reden hervorgetan haben. Bei der kleineren, mit wenigen hunderten Teilnehmern, handelte es sich um bekannte Neonazis und ähnliche Genossen, die mit den entsprechenden Flaggen und Parolen keinen Hehl aus ihrer Gesinnung machten.

Vergleichen wir also: bei den Menschen, die für die Unabhängigkeit demonstrieren, finden sich nur Leute, die für die Demokratie, für die Zusammengehörigkeit zu Europa und für eine friedliche Einigung mit Spanien sind, welchen vom Staat verweigert wird, sich zu manifestieren. Bei ihren Gegnern findet man Menschen, die man mit einem Spektrum vergleichen kann, das von dem französischen Front National bis zum deutschen NPD und zu neonazistischen Kameradschaften reicht.

Nun, der Leser kann zurecht verlangen, dass hier nicht nur allgemeine Wertungen verbreitet werden, sondern dass man Ross und Reiter nennt. Nur, über diese Gruppen und Grüppchen zu sehr ins Detail zu gehen würde Seiten und Seiten, einen ziemlichen Wälzer erfordern. Deswegen werde ich hier nur die Namen  dieser Vereine und ihre deutsche Übersetzung nennen. Mehr Einzelheiten darüber kann der interessierte Leser an seinem Computer finden. Das sind also die  Verteidiger der „heiligen Einheit Spaniens“ in Katalonien:

In der größeren Demonstration:
Somatemps (Es ist Zeit), Espanya i Catalans (Spanien und Katalanen), 12-O Movimiento Cívico (Bürgerbewegung 12. Oktober), España generosa (Großmütiges Spanien), Regeneración Democràtica (Demokratische Wiedergeburt), Convivencia cívica catalana (Katalanisches Bürgerliches Zusammenleben), Españoles de a pié (Spanier zu Fuß), Grup d'acció balear (Balearisches Aktionsgruppe) und Círcul Cívic valenciá (Valencianischer Bürgerkreis)

In der kleineren Demonstration:
Democracia Nacional (Nationale Demokratie, in etwa rechts von der NPD), Falange de las JONS (die erste faschistische Partei Spaniens und eine der wichtigsten Stützen der Franco-Diktatur) und Movimiento Catòlico Español (Spanische Katholische Bewegung).

Manche dieser Gruppen - besonders die letztgenannten - missbrauchen die Worte „Demokratie“ und „demokratisch“, und sind die Kulturbrühe, wo manche Schlägertrupps herkommen.

Solche Gegner zu haben verleiht schon fast ein Adelsprädikat an die Unabhängigkeitsbewegung. Oh, ja! Der Vergleich zwischen deren Befürworter und ihren Gegner ist sehr lohnend.

Montag 24. Oktober 2016 24.10.16 19:31

          

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