EMPURIABRAVA, 28.05.2017 - 01:08 Uhr

Journalismus-Preis für Krystyna Schreiber für ihr Buch “Die Übersetzung der Unabhängigkeit”

SALZBURG / BARCELONA / KATALONIEN: Das Institut der Europäischen Regionen (IRE), mit Sitz in Salzburg hat seinen Preis für Journalismus 2016 an Krystyna Schreiber für ihr Buch “Die Übersetzung der Unabhängigkeit” verliehen. Das ist die Dankesrede der Autorin, die in englisch gehalten wurde, vor zahlreichen Vertretern europäischer Städte, Regionen und Institutionen wie zum Beispiel aus Kroatien, Polen, Serbien, Österreich, Deutschland, USA, Slowenien, der Slowakei, Tschechien, der Schweiz, Bosnien-Herzegowina, dem Europarat und der Europäischen Kommission sowie dem Europaparlament. Über das Buch von Fr. Schreiber hatte ARENA vor einigen Monaten berichtet.

Hier die Übersetzung ihrer Dankesrede von Herrn Pere Grau

Sehr geehrte Damen und Herren,

Es ist für mich eine große Ehre heute hier bei Ihnen, in dieser schönen Stadt Salzburg, sein zu dürfen um diese Auszeichnung zu bekommen.

Ich komme aus Ostdeutschland und lebe seit fast 15 Jahren in Barcelona. Während den letzten 6 Jahre habe ich mit großem Interesse die wachsende, friedliche Mobilisierung der Bürger Kataloniens verfolgt. Wie Sie vielleicht wissen, wünscht mehr als 75 % der katalanischen Bevölkerung, dass ein bindendes Referendum über ihre politische Zukunft stattfindet. Leider findet das kein Gehör, geschweige denn einen Verhandlungspartner.

Auch habe ich beobachtet, dass es scheinbar sehr schwierig ist, außerhalb der Region die Probleme und die Hoffnungen der Bürger Kataloniens zu vermitteln, da sie keinen Staat hinter sich haben. Eine sehr lange Zeit waren die internationalen Nachrichten über diese Bewegung sehr negativ und sehr weit entfernt von der Wirklichkeit, die man am Ort beobachten konnte. Besonders zu Anlässen wie am 11. September, wenn mehr als eine Million Menschen bei riesigen Demonstrationen mitmachen, die von den Bürgerrechtsbewegung organisiert wurden - nicht von Parteien noch von der Regierung – um ihren Wunsch nach einem Volksentscheid Nachdruck zu verleihen. Und alles ohne dass ein einziges Glas zu Bruch kommt. Dies sollten wahrlich gute Nachrichten sein.

Deswegen habe ich mich entschieden dieses Buch zu veröffentlichen. Weil es letzten Endes um Demokratie geht, um gegenseitiges Verständnis und um Würde, alles Werte, die alle Grundpfeiler des europäischen Projekts sind.

Katalonien war schon ein aktiver Teilnehmer dieses europäischen Projektes, noch bevor Spanien vor jetzt 30 Jahren Mitglied der EU wurde. Die Katalanen empfinden Europa als ihre natürliche Heimat und möchten es mit ihrer ganzen Kraft zu unterstützen. Tatsache ist, dass in den letzten 10 Jahren Katalonien für 1,5 Millionen Einwanderer zur Heimat geworden ist, die aus allen Herren Länder gekommen waren; zur Zeit sind nur 32 % der Bevölkerung Kataloniens katalanischen Ursprungs. Vor kurzem hat die katalanische Regierung angeboten, 5.000 Flüchtlinge aus Syrien Zuflucht zu geben, um der EU in dieser Zeit der großen Herausforderungen Hilfe zu leisten. Für mich als Deutsche ist es auch bemerkenswert, dass es im katalanischen Parlament nicht einen einzigen Vertreter rechtsextremer Parteien gibt.

Deshalb scheint es in dieser Zeit großer Herausforderungen für die EU besonders wichtig, ja, vielleicht sogar eine Chance, den Bürger Kataloniens ihre Würde zurückzugeben, indem man sie auf freiem und demokratischem Weg in einer derart wichtige Frage, die die Zukunft ihrer nachfolgender Generationen prägen wird, entscheiden lässt.

Gestern wurde in den Eröffnungsreden gesagt, dass es eines der Ziele des europäischen Projekts war und ist, die Hoffnung und die gegenseitige Verständigung zu fördern. Genau dies ist der Ziel, für das die Bürger Kataloniens arbeiten. Und deswegen möchte ich dem Institut der Europäischen Regionen für diese Anerkennung besonders danken, weil sie ein weiteren kleiner Schritt in Richtung jenen Europas ist, das wir unseren Kindern weitergeben wollen: das Europa der Bürger; das Europa der Demokratie. Vielen Dank.

Foto: Adrià Costa für www.naciodigital.cat

Freitag 30. September 2016 30.09.16 20:20

          

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