EMPURIABRAVA, 23.11.2017 - 06:27 Uhr

Talente unter uns: Nicht suchen – finden!

EMPURIABRAVA / KATALONIEN / SPANIEN:  Seit mehreren Jahren sucht ARENA unter dem Motto „Talente unter uns“ Menschen mit einem ungewöhnlichen Hobby oder seltener Kunstfertigkeit. Nach vielen vergeblichen Aufrufen, sich bei uns zu melden, gaben wir die Suche auf und siehe da: wir fanden!

Claas Hickl, von Beruf Betriebswirt, psychologischer Berater und graphologischer Gutachter aus Freiburg im Breisgau, hatte uns im Internet entdeckt und bot sich an, uns seinen Fall zu schildern.

Unsere Redakteurin traf den sympathischen jungen Mann zu einem Interview und hörte von ihm so erstaunliche Dinge, dass wir ihm hier einen Bericht widmen wollen. Er und seine Frau, die am 29. Dezember ihre Silberhochzeit in Empuriabrava feierten, kommen seit 1994 jedes Jahr zwei bis dreimal an die Costa Brava, wo sie sogar schon einmal einen herrenlosen Hund adoptierten.

Claas Hickl kennt aber nicht nur die Costa Brava, sondern hat Klee auch in Deutschland, in Frankreich und Italien gesammelt: an die 5.000 (!!) vierblättrige Kleeblätter hat er in den letzten 30 Jahren gefunden. „Sie springen mich an“, sagt er bescheiden lächelnd. Und eines der Geheimnisse seines Erfolges sei es eben gerade, nicht zu suchen, sondern zu finden.

Wenn wir gerade zu Silvester dieses „Talent unter uns“ vorstellen, so nicht zuletzt deswegen, weil der Klee in vielen Kulturen und seit Urzeiten ein Glückssymbol ist, das gerade zum Jahreswechsel häufig auf den Markt gebracht und verschenkt wird.

Der Legende nach nahm schon Eva ein vierblättriges Kleeblatt mit, als sie aus dem Paradies vertrieben wurde. In der Astrologie galt der Vierblättrige als Symbol für die Elemente Wasser, Feuer, Luft und Erde und somit als Weltsymbol. Das schon früh christianisierte Irland hat den Klee als Nationalsymbol, sodass am Saint Patrick’s Day viele Iren, auch wenn sie schon seit Generationen in den USA leben, einen „Shamrock“ am Jackenkragen tragen. Auf der grünen Insel darf der Vierblättrige in keinem Brautstrauss fehlen: er verspricht beständigen Liebeszauber und Fruchtbarkeit.

In Europa kennen wir ebenfalls das Glücksgefühl, wenn wir einmal ein Exemplar des seltenen vierblättrigen Klees finden. Sogleich wird es in einem Buch gepresst, wobei man ein Löschpapier oder eine Papierserviette beigibt, damit die Pflanze ihr Wasser abgeben kann, ohne dem Buch zu schaden. Kinder meinen, ein getrocknetes Kleeblatt im Schulheft helfe die Noten verbessern und – mal ehrlich – sind wir nicht alle davon überzeugt, dass ein vierblättriger Klee Glück bringt?

Claas Hickl kann stundenlang über das grosse Thema der verschiedenen Kleesorten sprechen und seine Hörer damit in Bann schlagen. Aber wir wollen hier keine wissenschaftliche Studie erstellen, so interessant sie auch wäre. Wir staunen einfach, wie verbreitet der (Aber)glaube an die Macht des Glückes ist, die diese unscheinbare Pflanze auszeichnet. Zu Silvester kommt dieses schöne Exemplar in Europa leider meist mit kitschigen Verzierungen auf den Markt: mit blank polierten Geldstücken, Fliegenpilzen, Hufeisen oder rabenschwarzen Schornsteinfegern – allesamt ebenfalls Glücksbringer, wenn man daran glaubt.

Dabei ist das vierblättrige Glück mit dem lateinischen Namen oxalis deppei ein Geschöpf aus dem fernen Mexiko. Zwischen den Jahren wird diese Sorte in Blumenläden und Supermärkten auch hier überall feilgeboten. Gastgeber stellen es Silvester ihren Gästen an den Sitzplatz oder die Gäste ihrerseits bringen die Pflanze in einem Töpfchen mit. Obwohl der Glaube an die Wunderwirkung ebenso irreal ist wie die Hoffnung auf einen Lottogewinn, ist diese Art Aberglauben offenbar nicht auszurotten. Und es ist ja immerhin eine fröhliche Geste…

Der Klee soll übrigens nicht nur Glück bringen oder vor bösen Geistern oder Wegelagerern schützen, wenn man sie im Mittelalter einem Wandersmann heimlich in den Umhang nähte, er ist seit alters her auch ein Symbol für die Jahreszeit. In der chinesischen Kultur ist der Klee gleichbedeutend mit dem Sommer und auch unsere Volkslieder zeugen davon:
„Im Sommer, da wächst der Klee,
Im Winter, da schneit’s den Schnee,
da komm ich wieder“.

In einem Frühlingsgedicht von Ewald Christian von Kleist heisst es :
„Ein Teppich geschmückt mit Ranken und Laubwerk,
von Büschen, Blumen und Klee wallt auf Gefilden und Auen“.

Kleeblätter, Glücksklee, Zaubermittel: das Thema ist nahezu unerschöpflich.
Auch die Wissenschaft hat sich dessen angenommen .Eine seriöse Studie aus den neunziger Jahren in München schätzte die Häufigkeit von einheimischem vierblättrigen Klee auf 20 zu 1 bis 60 zu 1. Im Guinnessbuch der Rekorde wurde 2008 ein achtzehnblättriges Kleeblatt verzeichnet. Dabei blieb unerforscht, ob es sich um eine genetische Mutation handelte oder ob die Beschaffenheit des Bodens eine Rolle spielte.

Wichtig, so schliesst Claas Hickl unser Gespräch ab, sei aber vor allem, dass man sich nicht vorsätzlich auf die Suche nach dem Glücksklee begebe. Auch hier sein Motto: „Hör auf zu suchen, sonst kannst du nicht finden“. Ob d a s das Geheimnis ist?
Angelika Eisenführ

Montag 31. Dezember 2012 31.12.12 14:47

          

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