Katalonien: Wie viele Menschen waren am Sonntag zum Protest auf der Strasse?
KATALONIEN / SPANIEN: Wie immer, wenn Gewerkschaften die Bürgerschaft zu Kundgebungen gegen eine Regierungsentscheidung aufrufen, gehen danach die Aussagen darüber, welche Menschenmassen man bewegt habe, sehr stark auseinander.
So sollen es in Barcelona angeblich 400.000 Personen gewesen sein, die am Sonntag den Paseo de Gràcia zwischen der Avenida Diagonal und der Gran Via entlang marschierten. Nach Meinung der Ortspolizei waren es nur 30.000 Leute und dazu noch in „freundlicher, familiärer Stimmung“. „Nichts täuscht so sehr wie der Augenschein“ ist eine alte Weisheit der Polizei. In Girona füllte sich mitten im Herzen der Altstadt die Plaça del Vi mit Demonstranten, aber auch hier verliefen die Ansprachen friedlich und die Transparente klangen zivilisiert. In Lleida ging es etwas aggressiver zu. Auf das Gebäude der Subdelegation der Regierung wurden 16 Dutzend Eier geworfen, wobei die Protestler das Lied von Lluis Llach anstimmten, das mit den Worten beginnt „La gallina ha dit que no, visca la revolució“ (Das Huhn hat Nein gesagt, es lebe die Revolution).
Die Teilnehmer der Kundgebung stellten sich unter das Motto „Weder Resignation noch Schweigen“. In ganz Spanien klangen die Forderungen ähnlich: die Regierung solle die „aggressive Arbeitsmarktreform“ zurücknehmen oder zumindest abmildern. Die Gewerkschaften in den 60 betroffenen Städten wagten allerdings noch nicht, das Wort Generalstreik in den Mund zu nehmen. Noch zu deutlich ist die Erinnerung daran, dass ihre letzten beiden Aufrufe zu Generalstreiks ein klägliches Echo fanden, weil die Arbeitnehmer wegen 5 Prozent Lohnabstrich bei den Beamten nicht ihren eigenen Arbeitsplatz aufs Spiel setzen wollten. Trotzdem gingen die Gewerkschaften in Madrid am Sonntag von einer Beteiligung von einer halben Million Menschen aus – in scharfem Kontrast zu den gerade einmal 50.000 Personen, die die Polizei wahrnahm.
Noch will man Verhandlungsbereitschaft zeigen. Allerdings waren sich politische Beobachter darin einig, dass es gegen Beschlüsse einer Regierung mit absoluter Mehrheit schon sehr, sehr vieler wütend stampfender Füsse bedarf, wenn die Bevölkerung Änderungen durchsetzen will. Ministerpräsident Mariano Rajoy äusserte denn auch öffentlich, dass ein Generalstreik, sollte es dazu kommen, von der Mehrheit der Menschen nicht gutgeheissen würde.
Angelika Eisenführ
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