EMPURIABRAVA, 18.05.2012 - 18:46 Uhr

Katalonien: Eine Attraktion weniger

KATALONIEN / SPANIEN: Was die frühere Bürgermeisterin von Roses, Magda Casamitjana, dazu bewog, die schwarzen Ambulanthändler zu vertreiben, die den Touristen Sonnenbrillen, Gürtel, Schirmmützen und Bling-Bling-Uhren anboten, wird ein unvoreingenommener Beobachter kaum nachvollziehen können. Später erklärte die energische Frau auch die Gestalter von Sandschlössern, Burgen und Tieren am Strand zu ihren Feinden und verbot ihnen die für Besucher so attraktive und amüsante Tätigkeit.

Barcelona ist nun dabei, ebenfalls ein Stück von der Faszination einer weltoffenen Stadt zu nehmen: die lebenden Statuen in ihren originellen Kleidern, Waffen und glänzenden Rüstungen sollen von da verschwinden, wo sie am besten bewundert werden können: auf der Rambla. Sie sollen nach Magistratsbeschluss auf die Avenida Monica abgeschoben werden, also in ein Viertel, das die wenigsten Touristen zu sehen wünschen. Auch ihre Zahl soll beschränkt werden und sie müssen genaue Schichtzeiten einhalten, wenn sie weiterhin geduldet werden wollen. Die Begründung der Stadtväter war lächerlich: wenn viele Menschen diese lebenden Statuen gleichzeitig bewunderten, könnte es zu einem Stau auf der Rambla kommen. Die Künstler ihrerseits zeigten sich davon überzeugt, dass die Verbannung nach Santa Monica nur der erste Schritt zu ihrer vollständigen Vertreibung darstellen solle. Wenn man sich das Beispiel Roses anschaut, scheint die Furcht durchaus begründet.
A. Eisenführ

Dienstag 21. Februar 2012 21.02.12 22:30

          

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