„ Die ewige Tramuntana nervt mich…“ – Einiges über diesen Wind
von Dr. Wolfram Janzen
KATALONIEN / SPANIEN: Den Spruch „Der ewige Tramuntana nervt mich langsam…“ hat man in letzter Zeit öfters gehört. Seit Ende Januar brauste dieser Wind fast ständig über das Emporda hinweg und brachte eisige Kälte mit sich. Die Windstärken ereichten in Port Bou 160 km, die Temperaturen sanken selbst in flachen Teilen der Empordà-Ebene auf -4 Grad, teilweise fiel Schnee, und die Kanäle in Empuriabrava und Santa Margarita waren an einigen Morgen mit einer dünnen Eisdecke überzogen. Die vermummten Gestalten der Spaziergänger und Passanten, die gegen Wind und Kälte ankämpften, ließen einen an nordische Klimazonen denken. Nach den Statistiken der Meteorologen war dies der heftigste Kälteeinbruch im Mittelmeerraum seit 50 Jahren. Der Wind hat manche Zerstörungen angerichtet, die Kälte viele Pflanzen, vor allem in Gärten und auf Feldern, erfrieren lassen. In der vorhergehenden Wärmephase war schon einiges an Blüten aufgegangen, Stachelginster, Mimosen, Mandelbäume…Nun boten diese Bäume und Büsche ein trauriges Bild.
Die Tramuntana – die weibliche Benennung ist korrekt - ist nichts Besonderes im Alt Empordà. Wer hier wohnt, nimmt sie, vor allem im Herbst und im Frühjahr, als etwas Normales hin. Aber auf Grund der Heftigkeit und Hartnäckigkeit dieses Windes in letzter Zeit ist es doch angebracht, einmal zu fragen, was hat es mit der Tramuntana auf sich, wie entsteht sie, welche Rolle spielt sie hierzulande, und warum wehte sie jetzt so heftig, lange und kalt.
„Tramuntana“ heißt „über die Berge“. Das kennzeichnet sie. Sie kommt von Norden über die Berge, hier die Pyrenäen und Vorpyrenäen und weht auf´s Meer hinaus, wenn auch meist nicht allzu weit. Sie ist ein Fallwind, böig, wie Fallwinde sind. Es gibt zwei Arten, den leichteren, oft gleichmäßigeren und kürzer andauernden Wind und den heftigen, lang andauernden. Im Sommer kann die Tramuntana geradezu föhnartig warm werden, wenn die Berge sich erwärmt haben, im Winter lassen die schneebedeckten Gipfel die ohnehin kühle Windbraut noch kälter werden. Immer ist die Tramuntana trocken, und wenn sie bläst, vertreibt sie bald die Wolken und lässt strahlende Sonne, Helle und eine gute Fernsicht hervortreten. So kann man hier selbst im Winter an windgeschützten Stellen draußen sitzen und das Licht und die Wärme der Sonnenstrahlen genießen. Hat man dann noch einen Blick auf den weißen Canigou und die Kette der anderen Gipfel vor sich, so wird wohl jeder in Entzücken ausbrechen. Dementsprechend hebt eine leichte Tramuntana die Laune, eine längere und heftige kann aber Konfusion und Depression hervorrufen.
Tramuntana gibt nicht nur im Alt Empordà, sondern überall am Mittelmeer, wo ähnliche Verhältnisse vorliegen – also nördlich gelegene Gebirge nahe am Meer – im Rossello, auf den Balearen, in Ligurien, Jugoslawien…
Fortsetzung morgen
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