„Eurovegas“ bei Barcelona?
BARCELONA / KATALONIEN / SPANIEN: Die Zeiten sind lange vorbei, als Las Vegas in der Wüste Nevada ein Millionengewinn war. Inzwischen ist auch dort die Weltkrise angekommen, viele Kasinos stehen leer, die Hotelbetten werden zum grossen Teil nicht genutzt, Hunderte, ja Tausende von Mitarbeitern sind längst arbeitslos geworden. Aber der achtreichste Mann Amerikas, der 78jährige Sheldon Adelson gibt nicht auf. Jetzt will er ein ähnliches Grossprojekt in Spanien aus der Erde stampfen: entweder im Grossraum Barcelona oder in Madrid. Der Jude aus der Ukraine konnte die Verluste von Las Vegas verschmerzen, denn jetzt bezieht er seine Millionengewinne aus den Spielhöllen und Freizeitparks von Macao und Singapur. Sein Vermögen wird auf 22.000 Millionen Dollar geschätzt: da kann er sich Zukunftsprojekte locker leisten.
Allerdings sollen, falls ein geeignetes Gelände von zunächst 150 Hektar und später weiteren 100 Hektar für einen Golfplatz und ein Sportstadion gefunden werden, amerikanische Lohn-und Arbeitsverhältnisse herrschen: Geringe Löhne, keinerlei Entschädigung bei Kündigung, wenig oder gar kein Urlaub für die Mitarbeiter und auf der anderen Seite Verzicht auf Steuern, wie sie nach spanischem Gesetz die Spielkasinos belasten. Und nicht zuletzt soll in allen Gebäuden geraucht werden dürfen, trotz des strikten Antitabakgesetzes, unter dem Spaniens Raucher leiden.
Jordi Clos, der Präsident des katalanischen Hotelverbandes, ist nicht abgeneigt, ein solches Projekt ernsthaft zu prüfen. Auch die Messegesellschaft von Barcelona sähe eine solche Entwicklung gerne, zu schweigen von den Unternehmern des Kreuzfahrttourismus. Sie sehen im Geiste schon ihre mehr als 4.000 Gäste pro Schiff im Hafen von Barcelona von Bord gehen, um ihre Tausender in den Kasinos zu verspielen. Natürlich müsste auch die Infrastruktur entsprechend ausgebaut werden. So soll das zukünftige Vergnügungsgelände maximal zwanzig Autominuten vom nächsten Flughafen entfernt sein beziehungsweise schnellste Verbindungen vom Hafen zum Kasino bestehen.
Sieht man sich die Millionenpleite des Freizeitparks „Terra Mítica“ in Südspanien an, wo tatsächlich Hunderte von Millionen Euro buchstäblich in den Sand gesetzt wurden, kann man sich fragen, ob in Zeiten der jüngsten Weltwirtschaftskrise Spielkasinos und „einarmige Ganoven“ wirklich das Wichtigste sind, was sich die Menschen in Spanien wünschen.
Angelika Eisenführ
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