Zweite Mona Lisa in Spanien entdeckt
MADRID / SPANIEN: Sah die echte Mona Lisa so aus? Im Prado wurde ein Gemälde gefunden, das zeitgleich mit Leonardo Da Vincis berühmten Bild entstanden sein soll. Es dürfte von einem Schüler stammen.
Die Nase ist ein bisschen größer und das Gesicht ein klein wenig runder, aber die Ähnlichkeit zu Leonardo da Vincis Original ist unübersehbar: Die Frau auf dem Gemälde, das dem spanischen Nationalmuseums Museo Nacional del Prado gehört, ist die Mona Lisa. Das erstaunliche an diesem Gemälde ist aber, dass Mona Lisa nicht - wie bei den vielen Kopien - vom Da Vincis Gemälde abgemalt worden sein soll, sondern vom Original: Also von jener jungen Frau, vermutlich die Kaufmannsgattin Lisa Giocondo, geborene Gherardini, die dem Künstlergenie in seinem Studio Modell saß. Das nehmen Experten des Prado an. Sie kamen bei Restaurationsarbeiten an dem Mona-Lisa-Gemälde nämlich zu einer unerwarteten Erkenntnis: Das Bild, das man für eine Kopie hielt, die nach Da Vincis Tod gemalt wurde, ist zeitgleich mit Da Vincis entstanden. Es soll von einem Schüler stammen. Dieses Forschungsergebnis präsentierten die Experten aus dem Prado vor kurzem in London, berichtet das "Art Newspaper".
Hintergrund war dunkel übermalt
Das Bild habe seit Jahren an einer Wand in der Madrider Pinakothek gehangen, sein Wert sei aber bisher nicht erkannt worden, sagte Miguel Falomir, Leiter der Abteilung für italienische Malerei des Prado-Museums.
(c) Museum Nacional del Prado Noch mit dunklem Hitnergrund: Die Mona Lisa aus dem Prado
Dass das Bild so lange übersehen wurde, liegt an einer "Verbesserung" aus späteren Jahren. Die Mona Lisa aus dem Prado zeigt denselben Hintergrund wie Da Vincis; eine lombardische Landschaft. Allerdings wurde diese in der Prado-Version mit dunkler Farbe übermalt, vermutlich, um es auf andere Bilder oder auf Möbel abzustimmen. Restauratoren legen diese Landschaft nun wieder frei, bei mehr als 80 Prozent des Gemäldes haben sie die dunkle Farbe schon abgetragen.
Außerdem war man davon ausgegangen, das das Prado-Gemälde auf Eiche gemalt sei - in der italienischen Malerei der Renaissance eine Seltenheit. Fälschlicherweise hat man es somit für ein flämisches Werk gehalten. Nun wurde aber festgestellt, dass es sich um Nussholz handelt, ein damals in der Gegend weit gängigeres Material. Auch die Größen ähneln sich: das Gemälde aus dem Louvre ist 77 x 53 cm groß, jenes aus dem Prado 76 x 57 cm. Außerdem haben die Wissenschaftler das Gemälde durchleuchtet: Auch unter den Farbschichten traten erstaunliche Ähnlichkeiten beim Malgrund zutage.
Malte sie einer der zwei Lieblingsschüler?
Die Experten des Prado, der neben dem Louvre als Instanz für Leonardo-da-Vinci-Forschung gilt, gehen daher davon aus, dass die beiden Gemälde unmittelbar nebeneinander entstanden sind. Als Maler kommen demnach zwei Lieblingsschüler von Da Vinci infrage: Andrea Salai, der 1490 zum berühmten Maler stieß und sein Liebhaber gewesen sein soll, oder Francesco Melzi.
Wäre es Melzi, ließe das wiederum Rückschlüsse auf das genaue Entstehungsdatum der Mona Lisa zu: Er war erst ab 1506 Teil von Da Vincis Studio. Im Louvre nimmt man an, dass Da Vincis Mona Lisa zwischen 1503 und 1506 gemalt wurde.
Der Prado will seinen vollständig restaurierten Fund am 21. Februar der Öffentlichkeit präsentieren. Dann soll das Gemälde als Teil einer bereits geplanten Ausstellung an den Louvre in Paris verliehen werden - Spezialisten und Besucher sollen so die Gelegenheit bekommen, die beiden Mona Lisas zu vergleichen.
diepresse.com
Quelle: www.barcelonafuerdeutsche.com
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