EMPURIABRAVA, 18.05.2012 - 12:06 Uhr

Kronprinz Felipe 44 Jahre alt

MADRID / SPANIEN: Das dritte Kind des Königspaares Juan Carlos und Sofía kam in dem Jahr zur Welt, das dem 20. Jahrhundert einen spezifischen Namen gab: 1968. Aber der blondlockige Knabe mit den neugierigen blauen Augen durfte keine Revoluzzerkarriere anstreben, sondern wurde unter den strengen Blicken seiner Mutter von Anfang an zu einem Prinzlein erzogen. Am 30. Januar wurde der Kronprinz 44 Jahre alt. Die monarchiefreundliche Presse in Spanien beginnt inzwischen damit, den jungen Aristokraten „hochzuschreiben“, also dessen hervorragende Ausbildung an den Universitäten von Madrid und Georgetown in den USA zu preisen. Auch seine gute Figur bei den über 80 Reisen nach Lateinamerika, wo er stellvertretend für den König an jeder Amtseinführung eines neuen Präsidenten Spanien teilnahm, wird jetzt herausgestrichen. Die politische Wochenschrift TIEMPO widmete Don Felipe jetzt sogar das Titelblatt: „El Principe más americano“. Es ist erst wenige Jahre her, dass kritische Kommentare nach Abschluss der langen Studien des Prinzen hämisch anmerkten, Spanien habe nunmehr „einen Arbeitslosen mehr“.

Es könnte an der schlechten körperlichen Verfassung von Don Juan Carlos liegen, der mit seinen 74 Jahren mehrere Operationen hinter sich hat, die ihn lange erst an Krücken, dann an den Stock fesselten, aber auch an der Situation, die durch die finanziellen Machenschaften des Schwiegersohns Iñaki Urdangarín entstanden ist. Monarchiefeindliche Kräfte, wie sie vor allem in Katalonien virulent sind, könnten sich ermutigt sehen, das Königshaus weiterhin zu verunglimpfen. Um dem Begehren der Abschaffung der Monarchie entgegenzutreten, könnten diejenigen Journalisten, die die lobenswerte Rolle noch nicht vergessen haben, die nach Francos Tod Don Juan Carlos bei der Wiedergewinnung der Demokratie gespielt hat, sich veranlasst sehen, in der Figur des Kronprinzen einen kraftvollen Vertreter der Monarchie hochzuschreiben, der im Falle eines Rücktrittes von König Juan Carlos in die Bresche springen könnte, ehe Spanien sich auf das gefährliche Abenteuer einer dritten Republik einlässt.
Angelika Eisenführ

Montag 30. Januar 2012 30.01.12 21:51

          

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