EMPURIABRAVA, 18.05.2012 - 11:59 Uhr

Spanien: Skandalöses Urteil

VALENCIA / SPANIEN: Das Urteil war knapp und skandalös: die beiden Hauptangeklagten im „Caso Gürtel“ wurden trotz überwältigender Schuldbeweise von dem Schöffengericht in Valencia für „nicht schuldig“ erklärt. 45 Tage hatte der Prozess gedauert und die Anklageseite brachte Zeugen vor, deren Glaubwürdigkeit durch nichts erschüttert werden konnte. Demnach hatten der zurückgetretene Präsident des Autonomiegebietes Valencia, Francisco Camps und der Chef der dortigen konservativen PP, Ricardo Costa, zwar eindeutig teure Massanzüge im Wert von über 13.000 Euro aus einer Schneiderei in Madrid als Geschenke entgegengenommen, doch meinten die Schöffen, dies seien „normale Handelsbeziehungen“ gewesen. Dass die Träger politischer Ämter keinerlei Geschenke annehmen dürfen, die über den Wert eines sagen wir etwas besseren Kugelschreibers hinausgehen, dürfte den Damen und Herren doch wohl bekannt gewesen sein, oder?
Zwei weitere Angeklagte in diesem trüben Fall hatten sich mit einer Geldstrafe davon freigekauft, überhaupt vor Gericht erscheinen zu müssen. Der Freispruch durch die Schöffen, also nicht juristisch gebildete Männer und Frauen aus dem Volk, dürfte vor allem einem Mann einen Seufzer der Erleichterung entlockt haben: dem Schwiegersohn von König Juan Carlos und Doña Sofía, Iñaki Urdangarín. Vielleicht hofft er sogar insgeheim, auch vor ein solches Gericht von Leuten aus dem Volke gestellt zu werden, denn was wissen die denn schon von Gesellschaftsgründungen, Geldflüssen zwischen Stiftungen und Firmen und Steuern bei gewerblichen Unternehmen?
Wenn es den Mitgliedern des Gerichtes in Valencia nicht möglich war, mit offenen Augen und Ohren zu hören und zu lernen, was aktive beziehungsweise passive Bestechung sind und
ausserdem  zumindest letztere nicht verwerflich finden, dann kann man dem Exhandballprofi nur wünschen, vor ein ebenso naives Tribunal gestellt zu werden. Zumindest die weiblichen Mitglieder eines solchen Schöffengerichtes würden vor dem hochgewachsenen
„Herzog“ von Königs Gnaden mit den blauen Augen dahinschmelzen. Wer so schön ist, kann nicht schuldig sein: dieses Motto hat ja nun schon bei dem smarten Francisco Camps bestens funktioniert. Ist es ein Zufall, dass die Göttin Justicia blind ist?
Angelika Eisenführ

Sonntag 29. Januar 2012 29.01.12 20:07

          

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