EMPURIABRAVA, 18.05.2012 - 10:09 Uhr

Proteste gegen Prozess von Garzón

MADRID / SPANIEN: Sicher, er war einer der besten Ermittlungsrichter Spaniens: Balthazar Garzón, der seinerzeit den chilenischen Machthaber Augusto Pinochet in London unter Hausarrest stellte, um ihn in seinem Heimatland aburteilen zu lassen. Sicher, der Unbestechliche  der den Mut hatte, über 200 Bankkonten der ETA und ihrer Gesinnungsgenossen beschlagnahmen zu lassen, war auch ein eitler und publikumssüchtiger Mann. Sicher, er hatte vor einigen Jahren versucht zu erreichen, dass man ihm den Friedensnobelpreis verlieh und war mit der Initiative kläglich gescheitert. Aber wie jetzt mit dem Starrichter von internationalem Rang verfahren wird, das hat doch in der spanischen Presse Proteste ausgelöst. Es ist offenbar allzu offensichtlich, dass die konservative PP den Mann aus dem Richterstand weg haben will, denn Garzón hatte ja nicht zuletzt intensive Nachforschungen über Greueltaten  an Spaniern in Lateinamerika durchgeführt. Dafür war ihm in ganz Übersee und auch in vielen anderen Ländern hohes Lob zuteil geworden, aber es störte diejenigen Männer hierzulande, die dem Geiste Francos als Militärdiktator auch heute noch nicht abgeschworen haben.
Was die Abhörung einiger Telefongespräche der Anwälte mit den Angeklagten des Korruptionsnetzes „Gürtel“ betrifft, hatte Garzón diese auf Weisung hoher Polizeistellen angeordnet, gleichzeitig aber peinlich darauf geachtet, dass der Inhalt dieser Gespräche von dem Nationalen Gerichtshof nicht dazu missbraucht werden konnte, um die Verteidigung der Verdächtigen zu sabotieren. Es reicht aus, die konservative Presse zu lesen, um festzustellen, dass sich da eine Hexenverfolgung anbahnt, um einen der glänzendsten Köpfe der spanischen Justiz aus dem Amt zu kegeln. Die Herren Kollegen haben offenbar Angst vor dessen Röntgenaugen. Oder sollte die Kampagne einen noch trivialeren Grund haben, nämlich Neid?
Angelika Eisenführ

Dienstag 24. Januar 2012 24.01.12 21:48

          

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