EMPURIABRAVA, 26.07.2014 - 15:09 Uhr

Kommentar: Empuriabrava ist die bedrohteste Marina der Welt

EMPURIABRAVA / KATALONIEN / SPANIEN: Vor kurzem schlugen die Wogen hoch, weil jemand sich erlaubt hatte, den Begriff „Schönste Marina der Welt“ in Frage zu stellen.

Es ist eben eine Frage der Perspektive, ob und warum man etwas als schön, oder gar als das Allerschönste auf der Welt betrachten will und kann.

Im Falle Empuriabravas stellt sich die Frage nach der Perspektive jedoch nicht nur in Bezug auf Schönheit, sondern vor allem im Hinblick darauf, was die Anwendung des Küstengesetzes aus der „Ciutat Navegable“ macht.

Wer Freunden, oder Bekannten im europäischen Ausland darüber berichtet, welcher Film hierzulande abläuft, stösst in der Regel auf ungläubiges Kopfschütteln und setzt sich der Gefahr aus, mit einem Schauermärchen Eindruck schinden zu wollen.

An eine vergleichbare Missachtung von Eigentumsrechten können sich nur diejenigen noch erinnern, die den real existierenden Sozialismus miterlebt haben.

Der heutigen Generation ist ebenso wenig vermittelbar, was hier abläuft, wie den „Daheimgebliebenen“, die Empuriabrava bestenfalls aus dem Urlaub kennen.

Wenn schon die etablierten Parteien, nichts, oder nur wenig gegen dieses offenkundige Unrecht ausrichten können, wundert man sich, dass die katalanischen Separatisten die Füsse so still halten.

Wer auf Autonomie pocht, sollte das nicht auf einen Sprachenkrieg beschränken und sich nur auf seine Wirtschaftskraft berufen.

Wie unlängst zu lesen, bezieht sich die lange Leine, die man den Katalanen aus Madrid mit gesetzlicher Rückendeckung zugesteht, insbesondere auf Erziehung, Bildung und Kultur.

Da Sport nachweislich unter diese Begriffe fällt, sollte man meinen, dass damit auch alle Wassersportarten wie segeln, kiten, wasserskifahren, tauchen, angeln usw. gemeint sind.

Um diese Sportarten auszuüben, braucht man Boote, für Boote braucht man Anlegestellen und Häfen. Häfen brauchen Verbindungen zum Meer. Aus dieser Sicht sind Kanäle und Marinas nichts anderes, als Schwimmbäder, Golf- oder Tennisplätze, nämlich zum Betreiben einer Sportart erforderliche Flächen und Bauten.

Diese Sichtweise wäre – wenn vielleicht auch ein wenig spitzfindig interpretiert – der Schlüssel für die Generalitat, die küstengesetzlichen Vorgaben aus Madrid auf die eigene katalanische Weise zu verstehen und umzusetzen.

Es reicht nicht, wenn sich Gemeinden und Städte wie Roses zu irgendwelchen Gruppierungen zusammentun, um Bekenntnis über ihren Wunsch nach Autonomie abzulegen.

Mit dem Recht im Rücken könnte man ein Zeichen dafür setzen, wo der lange Arm Madrids sein Ende hat. Das brächte den Katalanen auch aus Kreisen Verständnis und Sympathien, die dem katalanischen Weltbild bislang eher zurückhaltend bis ablehnend gegenüber standen.

Max

Donnerstag 12. Januar 2012 12.01.12 21:31

          

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