EMPURIABRAVA, 18.05.2012 - 09:06 Uhr

Dem Sinn von Weihnachten näher kommen (2)

Fortsetzung von gestern
Von Dr. Wolfram Janzen
KATALONIEN / SPANIEN:
Lukas bringt keinen historischen Bericht über die Geburt Jesu, deren reale Umstände uns unbekannt sind. Er erzählt eine Geschichte, in der er die Bedeutung der Person, des ganzen Lebens und der Sendung Jesu ausdrückt, in der das enthalten ist, was die Jünger und frühen Christen mit Jesus Christus erfahren haben und was sie von ihm bekennen. Eine Glaubens- und Zeugnisgeschichte also, über die man nachdenken und meditieren kann, wie Maria, die Mutter, es am Schluss tut. Und so hat diese Geschichte immer wieder Menschen bewegt, sie haben sie nachempfunden und nachgestaltet, in der Malerei, der Musik, der Literatur, im Schauspiel…
Hinzu kommen andere Legenden. Von Matthäus die Weisen aus dem Morgenland, die einem Stern folgen, der sie zu Christus führt, die Flucht nach Ägypten, der Kindermord in Bethlehem, den König Herodes ausführen lässt. Aus Apokryphen die Geburt Jesu in einer Höhle…Auch dies Geschichten, die nicht nur Farbe und Menschlichkeit in die Geburtsgeschichte Jesu bringen, sondern etwas von seiner Bedeutung aussagen wollen.

Immer aber geht es um die Aussage: Gott ist mit diesem Menschen Jesus und er lebt und eröffnet den Weg, an dem Gott „Wohlgefallen“ hat. Es ist nicht zu leugnen, dass unter Berufung auf Jesus schreckliche Dinge in der Geschichte geschehen sind. Aber das entwertet
den Glanz des „Lebensmodells“ Jesu und echter Nachfolge nicht!

Die Sitten und Gebräuche, die sich an die Weihnachtsgeschichte und das Weihnachtsfest angelagert haben, sind in den einzelnen Ländern unterschiedlich. Ursprünglich beziehen sie sich immer auf das Weihnachtsgeschehen und drücken symbolisch einen Aspekt von diesem aus. Heute sind sie meist ihrer einstigen Bedeutung entleert, die vielen unbekannt ist. Es lohnt sich, sich ihre Bedeutung bewusst zu machen. Dann erinnern sie uns auf ihre Weise an die Weihnachtsbotschaft.

Die Sitte, sich Weihnachten etwas zu schenken, geht auf die Geschenke zurück, die dem Christuskind gebracht wurden. So werden in Katalonien traditionell Geschenke an die Kinder am Epiphaniastag von den  drei Magierkönigen gebracht. Weihnachtliches Schenken hat also
ursprünglich mit der Freude über die Geburt und das Finden des Gotteskindes, mit Gottes- und Nächstenliebe zu tun.

Sich am Heiligen Abend etwas zu schenken, ist eine protestantische Erfindung. Bis zur Reformationszeit wurden die Kinder vom Heiligen Nikolaus oder Martin an deren Tagen beschenkt. Martin Luther wollte die Heiligenverehrung zurückdrängen und ließ das „Christkind“ die Gaben bringen, was natürlich am Heiligen Abend am passendsten ist.

In den nördlichen protestantisch geprägten Ländern wurde der Weihnachtsbaum zum zentralen Weihnachtssymbol. Als „Christbaum“ – so sein eigentlicher Name - verweist die auch im Winter grüne Tanne auf  Jesus Christus als den „wahren Lebensbaum“, der neues und ewiges Leben eröffnet. Die Lichter an ihm erinnern an Christus als „das Licht der Welt, das die Dunkelheit erhellt“. Ihre Vielzahl deutet auf die Nachfolger Jesu hin, die „ihr Licht leuchten lassen sollen“ Die bunten Kugeln am Baum ersetzen die früher üblichen Äpfel, die als Paradiessymbol galten. Sie verweisen darauf, dass Christus die „Tür zum Paradies“ wieder aufgeschlossen hat, durch die Überwindung der Trennung von Mensch und Gott. Die Sterne am Baum haben natürlich mit dem Stern von Bethlehem zu tun. So bilden die Gaben unter dem Baum und der geschmückte Baum eine eigene Weihnachtspredigt, wenn man sie denn versteht.

In den katholischen südlichen Ländern ist traditionell die „Krippe“ das zentrale Weihnachtssymbol, an dem man sich das Weihnachtsgeschehen vergegenwärtigt. Aus der Darstellung der Weihnachtsgeschichte durch kleine Figuren sind in Katalonien die „Lebenden Krippen“ entstanden. Zwischen den alten Gemäuern katalanischer Dörfern, in der umgebenden Natur, werden die Szenen der Geburtsgeschichte von Personen in historischer Kleidung und Szenerie dargestellt. Das wird mit sehr viel Liebe, Engagement und Kreativität unternommen. Die Besucher wandern von Szene zu Szene. Natürlich ist das heute auch ein touristisches Ereignis und doch kann es dem Betrachter, der dafür offen ist, das nahe bringen, was Weihnachten geschehen ist und geschehen kann: die Geburt, die Ankunft Christi in uns und um uns.

Donnerstag 22. Dezember 2011 22.12.11 21:14

          

Weitere Meldungen: