Glosse: Die kommunikative Überlegenheit der Frauen
Nichts ist heuchlerischer, als die Frage der Hausfrau, ob das Essen denn geschmeckt habe.
Beantwortet Mann die Frage mit Ja, wird dies als Desinteresse am weiblichen Tun interpretiert. Mann hätte von selbst auf die Idee kommen können, die Leistung zu würdigen. Wagt man, mit Nein zu antworten, wird man zum Ziel harscher Kritik. Zum einen, weil man nicht Mann’s genug sei, seine Meinung unaufgefordert zu äussern, zum andern, weil einem offenbar nichts recht zu machen sei. Wie man’s macht, ist’s falsch.
Die weibliche Rhetorik ist voll von derartigen Fallen. Frauen können Fragen stellen, auf die es nur falsche Antworten gibt. Am unlösbarsten wird das Problem, wenn es um ihre Person selbst geht. Mann vermeide jede konkrete Antwort auf Fragen nach Intelligenz, Figur, Frisur und sonstigen körperlichen Merkmalen. Um einigermassen glimpflich davon zu kommen, kann die Antwort nur lauten: Ich liebe Dich so, wie Du bist!
Wenn das nicht besonders überzeugend gelingt, handelt man sich zwar erneut den Vorwurf eines gewissen Desinteresses ein, dem man aber mit der wortlosen Aufnahme einer möglichst belanglosen Tätigkeit begegnen kann. Nach der Brille, oder nach irgendetwas verloren Geglaubtem suchen, haben sich dabei bewährt. Jede andere Verhaltensweise birgt die Gefahr, die anfängliche Fragestellung in ungeahnter Weise zu erweitern.
Das kann längst Vergessenes zutage fördern und weit in die Vergangenheit reichende Begebenheiten zur Waffe werden lassen. Frauen können sich detailgenau an Situationen und Äusserungen erinnern, wo Männer sicher sind, nie dabei gewesen zu sein und schon schon gar nicht die im Raum stehende Äusserung gemacht zu haben. Es gibt Frauen, die sogar noch wissen, welche Kleidung sie beim fraglichen Anlass getragen haben. Mit einiger Sicherheit ist dies auf die Struktur und Arbeitsweise des weiblichen Gehirns zurückzuführen. Während das männliche Gehirn arbeitsteilig aufgebaut ist und jeder Bereich eine eigene eng umrissene Aufgabe zu erfüllen hat, korrespondieren die weiblichen Gehirnlappen miteinander. Man könnte auch sagen, sie unterhalten sich. Das macht es für den Mann einfacher, bestimmte zerebrale Regionen einfach abzuschalten, z.B. für Motorradrennfahrer, für Amokläufer und sonstige gefahrengeneigte Beschäftigungen. Männer denken-handeln-reden, Frauen reden-handeln-denken. Auf diese simple Formel liesse sich das Konfliktpotential zwischen Mann und Frau reduzieren.
Zwar sind nicht alle Männer Philosophen, wie ein gewisser Herr Descartes, der vor etwa 350 Jahren konstatierte: Ich denke – also bin ich, wäre er eine Frau gewesen, lautete die Erkenntnis wahrscheinlich: Ich spreche – also bin ich! Wollte man darüber nachdenken, welche Erfindung die Grundveranlagungen der beiden Geschlechter am besten bedient, wäre es wahrscheinlich das Rad für den Mann und das Telefon für die Frau. Hätte es in der Antike bereits das Telefon gegeben, gäbe es heute keinen Marathon-Lauf. Ein Anruf hätte genügt, um den Sieg über die Perser mitzuteilen und der heutzutage mehrheitlich unter den weiblichen Exemplaren der Spezies beliebten Sportart des Marathon-Telefonierens könnte ein historischer Anlass zugeordnet werden. Im Vergleich zu kleinen Jungen erwerben kleine Mädchen nachweislich früher die Fähigkeit des Sprechens.
Konnte man lange Zeit keine genaueren Angaben zum quantitativen Output dieser Lautäusserungen im Laufe des Lebens machen, lässt sich das mittlerweile recht exakt an den Telefonrechnungen ablesen. Der Spruch: Reden ist Silber – Schweigen ist Gold hat insofern seine Gültigkeit verloren, als in Flatrate-Zeiten reden fast schon billiger – auf jeden Fall problemloser - ist, als schweigen.
Max
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