EMPURIABRAVA, 31.10.2014 - 13:36 Uhr

EHEC: Anscheinend doch keine „sauren Gurken“ aus Spanien

HAMBURG / KATALONIEN / SPANIEN:  Es war wohl falscher und voreiliger Alarm, das spanische Gurken die EHEC-Erreger nach Deutschland gebracht haben. Zwar fand man EHEC-Keime auf zwei der Gurken, jedoch haben diese mit dem Auslöser der Epidemie nachweislich nichts zu tun. Nun fängt die Suche wieder von vorne an, dem gefährlichen Erreger auf die Spur zu kommen. Nach wie vor gilt aber, dass man mit dem Verzehr von Frischgemüse vorsichtig und im Moment nicht Grünzeug in Massen zu sich nehmen sollte.

Derweil machen in Spanien die Bauern Druck auf die eigene Regierung. Spanien prüft eine Schadensersatzklage gegen Deutschland für Produktionsausfälle der eigenen Landwirte im Zusammenhang mit den EHEC-Krankheitsfällen.

Solche Forderungen seien nicht auszuschließen, sagte der spanische Agrarstaatssekretär Josep Puxeu nach Medienberichten vom Montag. Deutsche Behörden hätten darüber spekuliert, dass die Infektionen ihren Ursprung in spanischen Gurken haben könnten.

Dies habe dazu geführt, dass mehrere Länder und Handelsgesellschaften die Einfuhr spanischer Agrarprodukte eingeschränkt hätten. „Solche Hemmnisse sind verantwortungslos und ungeheuerlich“, sagte Puxeu. „Man darf nicht ein zuverlässiges Produktionssystem allein auf der Grundlage von Spekulationen an den Pranger stellen.“ Der Bauernverbände bezifferten die Verluste, die dem spanischen Gemüseanbau entstünden, auf sechs bis acht Millionen Euro am Tag.

Die spanische Gesundheitsministerin Leire Pajín betonte, es gebe bisher keine Beweise und auch keine Anhaltspunkte dafür, dass die Gurken in Spanien mit EHEC-Erregern kontaminiert worden seien. „Wir haben von den deutschen Stellen immer wieder verlangt, dass sie keine Schuldzuweisungen vornehmen sollen, solange es keine gesicherten Erkenntnisse gibt“, sagte die Ministerin dem Fernsehsender Telecinco.

In Hamburg waren auf Salatgurken aus Spanien EHEC-Erreger festgestellt worden. Die spanischen Stellen argumentieren, dass die Gurken möglicherweise nicht bei der Produktion in Südspanien, sondern auf dem Transport oder bei der Verarbeitung kontaminiert worden seien.

Auch wenn die spanischen Bauern im Gurkenskandal weiterhin empört alle Schuld von sich weisen und behaupten, ihre Produkte seien erst bei einem deutschen Großhändler oder in den belieferten Ländern verseucht worden. Die Ermittler schließen nicht mehr aus, dass die Ehec-Bakterien über kontaminierten Naturdünger oder verschmutzte Bewässerungsanlagen auf jene Salatgurken kamen, die auf Plantagen in der südspanischen Provinz Almeria wuchsen.

Die spanische Medien berichteten, untersuchen Inspektoren der Gesundheitsbehörde die Installationen eines Anbaubetriebes in Südspanien, auf dessen Feldern die belasteten Gurken gewachsen sein sollen. Auch zwei nahe Landwirtschafts-Kooperativen werden überprüft. Am Montag will die Regierung der südspanischen Region Andalusien erste Untersuchungsergebnisse mitteilen.

Schon vor Tagen vermutete der prominente spanische Mediziner Manuel Valenzuela, dass die gefährlichen Durchfall-Erreger "über kontaminierte Gülle oder daraus gewonnene Düngerprodukte" einige Gurkenfelder befallen haben. Die Millionen Gurken, die auf den riesigen Treibhausplantagen rund um die Stadt Almeria sprießen, werden über kleine computergesteuerte Düsen mit Wasser, Nährstoffen und künstlichem oder eben auch organischem Dünger versorgt.

Die Hamburger Gesundheitsbehörden hatten vergangene Woche auf dem Großmarkt der Stadt vier mit den Erregern infizierte Gurken sichergestellt. Drei - offenbar durchwegs Biogurken - wurden klar den spanischen Lieferanten zugeordnet. Die Vierte sei möglicherweise eine holländische Gurke, hieß es anfangs.

Die holländische Spur könnte jedoch ein Missverständnis sein. Denn der in Spanien produzierte Gurkentyp heißt offiziell "holländische Gurke". Es handelt sich um extra lange Salatgurken, die für den nordeuropäischen Markt angebaut und in Spanien nicht verkauft werden. Letzteres könnte erklären, warum es im Herstellerland selbst bisher keine Krankheitsfälle gibt. Spaniens Gurkenbauern beginnen derweil Millionen Kilo Gurken einzustampfen. Die Bauernverbände beklagen, dass Deutschland und auch die Nachbarländer alle Bestellungen aus Südspanien annulliert haben. Auch Tomaten und Kopfsalate, die zusammen mit den Gurken die Hauptexport-Produkte aus Spaniens größtem Gemüsegarten darstellen, seien kaum noch verkäuflich. Die Branche befürchtet Milliardenverluste und droht Deutschland und der EU mit einer Schadenersatzklage, sollten sich die Vorwürfe als unzutreffend herausstellen.

Spanien ist der größte Gurkenproduzent Europas und exportierte 2010 fast 450.000 Tonnen Salatgurken, die meisten in die EU. Spaniens Gemüsewirtschaft setzte im Vorjahr 15 Milliarden Euro um. Ein Zusammenbruch der Branche würde Zigtausende Arbeitsplätze in Gefahr bringen und Spaniens Wirtschaftskrise weiter anheizen.

Dienstag, 2011-05-31 23:21

  

1 2 3 4 5 6 7 >

Dienstag 2011-05-31

X Blumenschau in Roses

ROSES / KATALONIEN / SPANIEN:  In diesem Jahr findet schon zum zehnten Mal die von der Gewerbevereinigung Roses organisierte Blumenschau statt. Vom 16. bis 19. Juni ist der Ort überflutet mit bunten Pflanzen und zum...mehr

Dienstag 2011-05-31

Empuriabrava erhielt als einer von nur 11 Stränden das Qualitätsmerkmal „Q“ verliehen

EMPURIABRAVA / KATALONIEN / SPANIEN:  Hohe Auszeichnung für den Strand von Empuriabrava: Der Minister für Tourismus und Handel, Miquel Sebastián, hat heute in ganz Spanien das Qualitätsmerkmal „Q“ für besonders gute...mehr

Dienstag 2011-05-31

46 Nacktbadestrände in Katalonien – davon die Hälfte in der Provinz Girona

PROVINZ GIRONA / KATALONIEN / SPANIEN: Derzeit existieren in Katalonien 46 Strände für Nudisten – und die Zahl wird wohl in den nächsten Jahren steigen. War es früher fast schon ein Privileg, sich an einem dieser Strände...mehr

Dienstag 2011-05-31

Provinz Girona: Wärmster und trockenster April seit 20 Jahren

PROVINZ GIRONA / KATALONIEN / SPANIEN: Der April 2011 wird zwar klimatechnisch nicht in die Geschichtsbücher eingehen, aber zumindest hat man in den letzten zwanzig Jahren keinen mehr gemessen, der so trocken und warm war....mehr

Dienstag 2011-05-31

Stromversorgung an der Costa Brava in diesem Sommer garantiert

COSTA BRAVA / KATALONIEN / SPANIEN:  Der Stromversorger Red Eléctrica nimmt noch in diesem Monat einen sogenannten Strompark in Bescanó (Kreis Gironés) mit einer 400.000 Volt-Anlage in Betrieb und kann so, laut einem...mehr

Dienstag 2011-05-31

Provinz Girona: Mit spezieller Beschilderung soll vor starken Regenfällen gewarnt werden

PROVINZ GIRONA / KATALONIEN / SPANIEN:  Die Feuerwehr und die Polizei der Provinz Girona arbeiten zur Zeit an einem neuen Beschilderungssystem, das Personen und Fahrzeuge vor starken Regenfällen und damit eventuellen...mehr

1 2 3 4 5 6 7 >