EMPURIABRAVA, 17.09.2014 - 03:40 Uhr

Legenden und Mythen der Region: Der Gral, Sant Pere de Rodes und die Burg Sant Salvador de Verdera

von Dr. W. Janzen

Für Cornelius

Gründonnerstag, Anno Domini 1195 – Kloster Sant Pere de Rodes

Im Kloster herrschte große Aufregung. Nicht deswegen, weil man wie jedes Jahr eine große Zahl an Pilgern erwartete, die die wichtigsten Tage des Gedenkens des Leidens und der Auferstehung Christi im heiligen Bezirk des Klosters mit seinen hoch verehrten Reliquien begehen wollten. Das war man gewohnt. Diesmal erwartete man besonderen Besuch. Der König hatte sein Kommen angekündigt und mit ihm andere Vornehme.

Geschäftig eilten Klosterknechte auf dem Vorhof  der Klausurgebäude umher Prior Gausfred –  aus der Familie der Grafen von Empuries - noch nicht Abt, aber als solcher designiert – stand wie ein Fels in der Brandung und gab Anweisungen. Neben ihm der Cellerar,  Bruder Giullem, der Verwalter. Ihm war die eigentliche Organisation aufgetragen; wo es notwendig war, griff er ein. Es galt die Unterkünfte der vornehmen Gäste im westlichen Teil der Gebäude vorzubereiten, der König sollte im Abtshaus im Nordosten wohnen. Es war Fastenzeit, man trug aber Sorge dafür, dass auserlesene Fische aus dem Meer und Gemüse aus den Klostergärten aufgetra- gen würden. In der Küche herrschte Betriebsamkeit. Auch die Kirche musste hergerichtet werden, die heiligen Geräte wurden geputzt, große Kerzen wurden hineingetragen. Der Prior blickte zum Wehrturm hinauf, der sich neben dem Glockenturm erhob. Dort oben standen Wächter mit großen Hörnern, die die Ankunft des Königs und seines Gefolges melden würden. Wie man erzählte, sollten die Hörner den elfenbeinernen Signalhörnern Karls des Großen und seines Paladins Roland nachgebildet worden sein.  Ja es ging das Gerücht im Volke um, diese Urhörner selbst befänden sich im Klosterschatz.

Castellod´Empuries

Der König verließ die Stadt durch das westliche Tor in Begleitung des Grafen Pons Hug, der als zweiter seines Geschlechtes diesen Namen trug. Mit ihm waren Dalmau de Rocaberti, Vizegraf von Peralada und andere Noble der Region und des Hofes. Die Nacht hatte der König im Grafenpalast in gastfreundlicher Atmosphäre verbracht. Der Graf unterstützte die Politik des Königs im Gegensatz zu seinen Vorgängern. Beide stammten aus uraltem westgotischen Adel, ihr gemeinsamer Urahn war Bello, Graf von Carcassonne, in der Zeit Karls des Großen. Wie der König nahm Graf Pons als einziger der katalanischen Großen seine Herrschaft „dei gratias“, von Gottes Gnaden, wahr. Der Sage nach hatte Karl der Große selbst den Grafen von Empuries dieses Recht und die Herrschaft über das Emporda verliehen, dank der tapferen Verteidigung der Burg Verdera gegen die Mauren.

Vor dem Tor der Grafensstadt erstreckte sich der große See „stagnum Castiglioni“. Große Nachen erwarteten den König und sein Gefolge. Es waren Vasallen des Klosters Sant Pere, die die Nachen ruderten, denn die Grafen von Empuries hatten den See mit allen seinen Rechten dem Kloster geschenkt. Nur von seinem Lieblingsknappen, einem Jüngling aus vornehmen Hause begleitet, bestieg der König einen der Kähne. Gegen den Protest des Grafen hatte der Herrscher sich das ausbedungen. Er wollte als Pilger ins Kloster kommen und so hatte er seine königlichen Insignien und die Rüstung abgelegt und ein schwarzes Pilgerge- wand angelegt. Nicht umsonst nannte man ihn Alfonso el Casto oder katalanisch-okzitanisch Anffons el chaste, Alfons der „Keusche“. Die drückte eine Haltung aus, die Büßer und Mönche gelobten. Sie entsagten der weltlichen Liebe und bemühten sich um die himmlische. Vom Papst hatte er sich krönen lassen, den strengen Orden war er zugetan. Er hatte die Zisterzienser ins Land geholt und unterstützte die im apostolischen Geist lebenden Augustinerkanoniker von Vilabertran.

Nun war er auf dem Wege zu einem der ehrwürdigsten Klöster Kataloniens. Dort verehrte man das Haupt und den Arm des Apostelfürsten Petrus, der denselben Tod wie sein Meister erlitten hatte: die Kreuzigung. Ja , es hieß, man bewahre dort ein Stück des „wahren“ Kreuzes Jesu auf und Blutstropfen, die das das „wahre“ Bild Christi, das seinem Gesicht abgenommen worden war, vergossen haben sollte. Mönche hatten diese hochheiligen Schät- ze – wie man erzählte - vor langen Zeiten im Auftrag des Papstes aus Rom hierher gebracht, um sie vor feindlicher Bedrohung zu retten. Was konnte es Angemesseneres geben, als an den „drei heiligen Tagen“, an denen man der Passion und Auferstehung Christi gedachte, zu ihnen zu pilgern, Buße zu tun und das ewige Heil vom Richter und Erlöser der Welt zu erflehen. Hatte er, Alfons, sich nicht bemüht, seine Herrschaft im Zeichen des Kreuzes auszuüben?

Fortsetzung morgen

Donnerstag, 2009-07-09 10:42

  

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